Vom Sinn

Erstveröffentlichung

Am Flussufer (2005)

Weitere Veröffentlichungen

Am Flußufer – live in München (2005)

Musik und Text

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker

Abdruckrechte

Fanfare Musikverlag Edition

Hörbeispiel

Studio 2005

Live 2005

Der Sinn vom Sinn ...

Er ist amorph, er ist nicht leicht zu fassen.
Er ziert sich und verkleidet sich auch gern.
Am besten wär´ es sicher, ihn zu lassen
vielleicht im "Faust" versteckt, als Pudels Kern,

in Philosophenseminaren, auf Kongressen
und fest versiegelt im gehobenen Gedicht.
Jedoch weil jeder so auf ihn versessen,
wird er gefunden, ob´s ihn gibt oder auch nicht.

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Denn der Sinn liegt immer irgendwo drin.
Ja, wo ist er denn, wo bleibt er denn,
wo hat er sich versteckt?
Hat von Ihnen vielleicht jemand
den Sinn entdeckt?

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Ja, wo ist denn der Sinn schon wieder hin?
Schnell, wir müssen uns beeilen.
Hinter jeder dieser Zeilen
kann er kauern, mauern, lauern - der Sinn.

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Denn der Sinn liegt immer irgendwo drin.
Ja, wo ist er denn, wo bleibt er denn,
wo hat er sich versteckt?
Hat von Ihnen vielleicht jemand
den Sinn entdeckt?

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Ja, wo ist denn der Sinn schon wieder hin?
Schnell, wir müssen uns beeilen.
Hinter jeder dieser Zeilen
kann er kauern, mauern, lauern - der Sinn.

Schön wär´s, Sätze zu schreiben, die bleiben,
obwohl sie nichts wollen und sollen.
Aber etwas drängt mich, engt mich ein und zwängt mich.
Existenzielle Schwere beschränkt mich.
Und dann hilft kein Fluchen, denn dann muss ich suchen,
muss in Sätzen wühlen, stecke knietief in Gefühlen,
leg mich auf die Lauer, werd´ kein bisschen schlauer,
und schon ist er hin - der Sinn.

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn ...

(Ach einmal liegen zu bleiben
statt "Bleib nicht liegen" zu schreiben ...)
Ohne Hintergrund kreieren, mit Metaphern jonglieren,
mit servilen Barbieren über nichts bramarbasieren,
mit billigen Schmieren auf Bühnen brillieren,
trivialisieren, semantisch masturbieren,
ohne Rücksicht auf Gewinn und vor allem ohne Sinn ...
Und auf einmal wird mir angst und bange:
Vielleicht tu´ ich das ja alles schon lange!

Darum suchen wir jetzt alle nach dem Sinn ...

Und jetzt suchen wir mal alle nach dem Sinn.
Ja, wo ist denn der Sinn schon wieder hin?
Schnell, wir müssen uns beeilen!
Hinter jeder dieser Zeilen
kann er kauern, mauern, lauern,
sich verstecken, Zähne blecken,
schlichte Herzen derb erschrecken,
in Kritiken schwadronieren, resümieren, reüssieren,
als Erleuchtung sich gerieren ...
Helft mir doch - da geht er hin:
der Sinn.

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