Die Kanzlerin

Erstveröffentlichung

Wut und Zärtlichkeit (2011)

Musik und Text

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker

Abdruckrechte

Sturm & Klang Musikverlag GmbH

Hörbeispiel

Live 2012

Studio 2011

Ich habe ein Geheimnis,
das ich sicher bei mir hüte,
obwohl sich mancher Klassenfeind
darum bemühte.

Doch alles Dunkle will ans Licht,
die Enge sucht die Weite,
und selbst mein kleines rotes Herz
pocht auf der falschen Seite.

Den besten Freunden wollte ich
mich niemals offenbaren.
Doch nun zerreißt es mir die Brust,
drum sollt ihr es erfahren:

Das Lächeln meiner Kanzlerin,
es raubt mir den Verstand.
Wenn sie parliert im Parlament,
regiert mit zarter Hand,

dann weiß ich: ganz egal, was sie
politisch fabuliert,
wir werden von dem schönsten Lächeln
dieser Welt regiert.

Man wird mich nicht mehr schätzen
in meinen linken Kreisen,
wird Hunde auf mich hetzen,
lässt Züge entgleisen.

Doch bitte sagt: Was soll ich tun?
So weit ist es gekommen!
Die Liebe hat wie ein Taifun
mein Herz im Sturm genommen!

Ach ja, ich seh´s, ihr seid geschockt,
ihr seht die Welt so kritisch.
die Liebe macht mich toll und blind
und restlos unpolitisch.

Das Lächeln meiner Kanzlerin,
es raubt mir den Verstand,
und wenn sie tagt im Bundestag
und herrscht mit zarter Hand,

dann weiß ich: ganz egal, was sie
politisch fabriziert,
wir werden von dem schönsten Lächeln
dieser Welt regiert.

Und neulich war sie, finde ich,
entschieden zu kokett.
Sie legte sich doch glatt mit der
Atomlobby ins Bett.

Doch was ist los, ich weiß nicht mehr,
was ich ihr glauben soll,
jetzt find´t dieselbe Kanzlerin
den Ökostrom ganz toll!

Doch wenn die Wut am größten ist,
denk´ ich an Angie still
und an das Jahr 2008,
den 13. April:

Ein Bild erhellte diese Nacht,
am Nordpol schmolz der Schnee:
Da zeigte meine Kanzlerin
ihr pralles Dekolleté!

Das … nein die – die Brüste meiner Kanzlerin
rauben mir den Verstand.
Es schlägt mein Herz für diese Brust
und unser Vaterland.

Ich fäll´ für sie in Stuttgart
einundzwanzig alte Bäume
und sprenge ihr den Kopfbahnhof
für Immobilienträume.

Ich blas´ mit ihr den Terrorfürsten
dieser Welt den Marsch
und kriech´ dafür für alle Zeit
der NATO in den Arsch.

Ich mauschelte mit ihr fortan
mit Bänkern, Lobbyisten,
und wenn es sein muss schösse ich
für sie auf Pazifisten.

Ach könnte ich in an dieser Brust
nur einmal kurz versinken!
Dann wählte ich - ich schwöre es! -
auch niemals mehr die Linken.

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