Wehdam (Bayrischer Blues)

Erstveröffentlichung

vaterland (2001)

Musik und Text

Konstantin Wecker
Konstantin Wecker

Abdruckrechte

Fanfare Musikverlag Edition

Hörbeispiel

Live 2003

Studio 2001

Live 2001

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Zwei Kinder spieln verloren blinde Kuh.
Ein dicker Hund begattet meinen Fuß.
Zwei Elstern schaun mir schräg beim Zuschaun zu
Und bringen von der Liebsten keinen Gruß.

Ich bin beleidigt, denn mich hat die Welt
Ganz schön enttäuscht in diesen Tagen.
Du bist nicht da, das Thermometer fällt
Und ich bin vollgepackt mit ungelösten Fragen.

Mir gehts nicht gut. Ich glaub man siehts mir an.
Bei jeder Schönen frag ich mich: Bist Du´s?
Wie gern man sich doch manchmal täuschen kann:
Mich hat der Wehdam und ich hab den Blues.

Es heißt Spazierengehen hebt enorm die Stimmung.
Da sei man mit Natur und sich vereint.
Allein mir fehlt die richtige Gesinnung
Und auch das Outfit, wie mir scheint.

Ob Jogging oder Powerwalkinghosen,
Ach schon am Schuhwerk scheitert das Projekt.
Man lächelt über mich, den Markenlosen.
Du weißt es ja. Ich bin so unperfekt.

Mir gehts beschissen. Ganz Gescheite sagen:
Probieren Sie´s doch mit einem Buch von Proust!
Verlorne Zeit. Ich will mich jetzt beklagen.
So blau wie heute hats mich nie gebluest.

Die blinde Kuh hat, wie man hört, betrogen.
Die Elstern gehn mit irgendwem bei Fuß.
Der dicke Hund ist auch davongeflogen,
Vielleicht bringt er der Liebsten einen Gruß.

Ich flieg ihm nach. Der Park wird jetzt geschlossen.
Die Jogger brauchen neue Batterien.
Der dicke Hund wird auch bald abgeschossen
Und ich werde nach Lummerland entfliehn.

Mir gehts soweit. Mach dir nur keine Sorgen.
Ich trag jetzt überm Anzug gern Dessous.
Auch ein Verdienstkreuz konnte ich mir borgen
Von meinem Freund dem Wehdam. Das ist Blues!

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