Konstantin Wecker begeistert Fans in Gladbecker Stadthalle

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

27.11.2014

Quelle

WAZ

Autor / Interwiever

Barbara Seppi

Fassung aus der Druckausgabe: Der Traum von einer grenzenlosen Welt Konstantin Wecker wird nicht müde  von Liebe und Gerechtigkeit zu singen und erzählen Der „Willy“ kommt zuerst, und das ist gut so. Erst einmal ist damit  ein jeder der 400 Besucher am Mittwochabend in der Mathias-Jakob Stadthalle sofort beim Thema: die eigene Vergangenheit, die linksrevolutionären Demos der späten 1970er und frühen 1980er Jahre, die Ideale, für die wohl alle einst gekämpft haben -  sonst wären sie nicht beim Konzert von Konstantin Wecker. „Freiheit, das heißt, keine Angst haben, vor nichts und niemandem“, so die Hymne, die immer noch währende Wahrheit. Aber Wecker braucht eben nicht seinen wohl bekanntesten Song ans Ende des Programmes als „Hit“ anschließen, als hätten Besucher nur darauf gewartet, wie es bei verblassenden Pop-Größen der Fall ist. „Willy“, das ist der Auftakt zu einer dreistündigen unter die Haut gehenden Reise mit dem Liedermacher, Poeten und Musiker Konstantin Wecker, der nach wie vor viel zu sagen hat, altes und neues. Der nie müde wird zu erinnern, dass es wichtig und legitim ist, von einer besseren, gerechteren Gesellschaft zu träumen und für sie zu kämpfen. Mit Worten, nicht mit Waffen. „40 Jahre Wahnsinn“ der Name der Tournee, und natürlich ist es ein Querschnitt seines künstlerischen Schaffens bis dato,  „Genug ist nicht genug“, „Der alte Kaiser“ und wie sie alle heißen,  die Lieder. Mal in Manier des epischen Theaters von Bertold Brecht, dann  zärtlich und sanft in den Balladen um Liebe und Lebendigkeit. Meist selbst am Piano, aber auch lässig mit dem Mikrofon auf dem Barhocker. Hervorragend nicht nur begleitet, sondern intensiv gemeinsam musiziert mit Fanny Kammerlander am Violoncello, Jo Barnickel am Keyboard und Wolfgang Gleixner am Schlagzeug. Drei Vollblutmusiker wie Wecker selber, alle zusammen geben am Abend viele lupenreine  Jazz-und Blueseinlagen.  Der Schriftsteller Konstantin Wecker liest Passagen aus seinen Büchern, Erinnerungen an den Vater, den Opernsänger,  in „Die Kunst der ungespielten Töne“ – wie viel Liebe strömt da aus seinen Worten, untermalt am Klavier mit tropfenden Perlen der Arie „Nessun Dorma“.  Der Poet Wecker brennt im lebenbejahenden Gedicht „dass alles so vergänglich ist“ am Ende mit „ich lebe einfach schrecklich gern“.  Der Philosoph Wecker sinniert über Geschichte, Politik – die Geschwister Scholl und das Konzept „Es geht ums Tun nicht ums Siegen“. Und klagt an „warum glorifizieren wir im Geschichtsunterricht  Kriegstreiber wie Alexander den Großen?  Das waren doch Soziopathen“. Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen, das ist sein unerfüllter Wunsch. Das neueste Lied fordert dies einmal mehr. „Ich habe einen Traum“, ja, im Geist von Martin Luther King. „Es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will“- und -  „Wir rücken zusammen, versenken die Waffen im Meer, wir reden und singen und tanzen und lachen“.  Wie kann man so unentwegt brennen für Ideale, die unerreichbar scheinen, die jeden Tag auf´s Neue in der Gesellschaft verraten werden, ohne daran frustriert zu zerbrechen? „Ich bin dankbar für viele Weggefährten, viele wunderbare Menschen, die ich kennenlernen durfte. Sie fangen mich auf und geben mir die Energie dazu“, sagt der Künstler. „Danke, dass Sie uns auffangen und diese Energie weitergeben“, sagt sein Publikum mit einem nicht enden wollenden Applaus.   27.11.2014 – Barbara Seppi – freie Journalistin Für WAZ-Gladbeck – 28.11.2014