Werkschau eines poetischen Revoluzzers

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

31.07.2009

Quelle

Münchner Merkur

Autor / Interwiever

Andreas Daschner

Konstantin Wecker rührt im Stadtsaalhof zu Tränen und macht seinen politischen Standpunkt klar

Pürstenfeldbruck - Konstantin Wecker ist beides: Poet md Revoluzzer. Ob er nun eher ein poetischer Revoluzzer oder doch ein revolutionärer Poet ist, ist eine Frage des Standpunktes. Je nachdem, ob man denjenigen fragt, der zu politischen Liedern wie "Sage nein" den Rhythmus mit dem Fuß mitstampft, oder diejenige, die von Weckers unvergleichlichem Timbre zu Tränen gerührt werden, wird wohl die Antwort ausfallen. Beide Reaktionen rief der mittlerweile 62-Jährige bei seinem Auftritt im Stadtsaalhof des Veranstaltungsforums Fürstenfeld im Publikum hervor.
Wecker ließ den Abend, begleitet von seiner Band mit seinem musikalischen Partner Jo Barnikel, zu einer kleinen Werkschau seines mittlerweile 40-jährigen Schaffens geraten. Mit Werken von seinem noch etwas kruden Debüt "Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Amadeus Wecker" aus dem Jahr 1973 bis hin zu seinen neu überarbeiteten Klassikern von seinem jüngsten Album mit dem sperrigen Titel "Gut´n Morgen Herr Fischer - eine bairische Anmutung" passierte Wecker Revue für sein begeistertes Publikum.
Natürlich kokettierte der Münchner Liedermacher wieder ab und an mit seiner Drogen- und Knast-Vergangenheit. Dabei bringt er aber inzwischen die nötige Altersweisheit mit, die seine Anspielungen nicht aufgesetzt, sondern authentisch wirken lassen.
Klare politische Standpunkte sind auch heute noch sein Ding - auch wenn der bekennende Anarcho den Zynismus seines Werks "D´Zigeiner san kumma" heute damit entschärft, dass er mit dem folgenden "Sage nein" nicht mehr den Hauch eines Zweifels an seinem Gedankengut lässt. Als fast schon prophetisch erwies sich das bereits vor acht Jahren entstandene "Wenn die Börsianer tanzen" vom Album "Vaterland". Seinerzeit scharf kritisiert, weil Wecker Börsianer angeblich zum Massenselbstmord auffordere - so titelte seinerzeit zumindest eine Zeitung -, ist das Lied in der heutigen Wirtschaftskrise aktueller denn je.
Und so führte Wecker sein Publikum durch ein Programm aus gefühlvollen Perlen ("Oma"), Altwerken ("Lauscher hinterm Baum"), poetischen Gedichten und Klassikern wie "Der Herr Richter", "Genug ist nie genug" oder "So a saudumma Dog". Dabei bewies er einmal mehr sein unnachahmliches Gefühl für die Dramaturgie seiner Werke, die bis hin zum grandiosen, mit stehenden Ovationen bedachten Finale einem musikalischen wie emotionalen Höhepunkt zusteuerte.