Der Weltverbesserer hat die Freude wiedergefunden

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

03.08.2009

Quelle

Schwäbische Zeitung

Autor / Interwiever

Steffen Lang

Konstantin Wecker hat am zweiten Abend des Theaterfestivals 820 Zuhörer im ausverkauften Festzelt in Isny-Burkwang begeistert. Der Poet und Revoluzzer ging erst nach mehr als dreieinhalb Stunden von der Bühne, begleitet von stehend dargebrachtem Beifall.

Ein bedingungsloser Revoluzzer ist der mittlerweile 62-jährige Konstantin Wecker vielleicht nicht mehr, ein Mahner auf jeden Fall aber, ein Poet sowieso. Dazu gekommen ist nach einem Leben mit Aufs und Abs ein kräftiger Schuss Altersweisheit, der ihn nur noch authentischer macht. Gemeinsam mit seinen mit ihm älter und reifer gewordenen Fans hat der Liedermacher erkannt, dass das mit dem Weltverändern irgendwo zwischen "nicht so einfach" bis "unmöglich" ist.
Diese Erkenntnis hat sicherlich geschmerzt irgendwann, heutzutage steht Wecker drüber, kann darüber sogar seine Scherze machen. "Ich wollte mit Liedern die Welt verändern", sagt er zu Beginn seines Auftritts im Zelt. "Und wenn ich mir die Welt jetzt so anschau´ - also, ich war´s nicht." Er habe schließlich nicht ahnen können, dass Banker wie die Lehman-Brothers seine Liedtexte so beherzigen, sagt er und legt los mit "Genug ist nicht genug".

Er kokettiert - Hand in der Hosentasche, spitzbübisches Lächeln im Gesicht - immer wieder mit seiner Vergangenheit als Weltverbesserer, aber auch mit seinen dunkleren Jahren, als er wegen seiner Drogensucht im Gefängnis landete. Mit seinem Alter sowieso: "Ich bin ein 50++-Mann."

Aus seiner Altersweisheit ist freilich keine Altersmilde geworden. Und so fordert er musikalisch immer noch "Sage nein" und dichtet: "Irgendetwas zwingt mich, hier zu bleiben, mich liebend-hassend an diesem Land zu reiben." Dieser Mahner Wecker geht stets nahtlos über in den gefühlvollen Poeten, wenn er von den Mädchen singt, die "heit wia Äpfel ausschaugn", vom Sommer, der nicht mehr weit ist, oder vom "Schlendern". Diese Mischung wird noch gewürzt von heiter daher kommenden, bei weitem aber nicht sinnfreien Liedern wie "Annelies´, wir fahren heut´ ins Blaue", "Lang mi ned o" oder "Anna(rchie)".

Faszinierend ist, dass er bei all diesen Wechseln sein Publikum nie verliert. Ganz im Gegenteil, wird die Bindung zwischen Wecker, dem die Freude an seinem Tun stets anzumerken ist, und seinen Fans immer enger im Lauf des Abends. Die feiern ihn gegen Ende hin mit stehend dargebrachten Jubelstürmen und entlassen ihn selbst nach mehr als dreieinhalb Stunden und drei Zugaben nur ungern in den wohl verdienten Feierabend.

Den verdiente sich auch seine vierköpfige Begleitband namens "Bairische Anmutung", allen voran Jo Barnikel, mit dem Wecker nach eigener Aussage "schon seit 16 Jahren ein musikalisches Pärchen" ist. Gemeinsam sorgten sie dafür, dass der Samstag beileibe kein "saudummer Tag" war - auch wenn die Welt wieder nicht besser geworden ist.