Literarische Berichterstattung eines Lebens

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

01.11.2009

Quelle

yoga aktuell

Autor / Interwiever

Doris Iding

Die Kunst des Scheiterns

Spirituelle Erfahrungen macht man nicht nur auf dem Meditationskissen. Oft ereilen sie einen irgendwo, irgendwann. Nicht selten übermannen sie einen sogar in einem Moment, in dem man gar nicht damit rechnet. So beschreibt auch Konstantin Wecker zu Beginn seiner Autobiografie eine solche Erfahrung, die er als 12-Jähriger beim Radiohören gemacht hat. Er sah und fühlte die Töne, bevor er schließlich eins mit ihnen wurde. Eine sehr plastisch-bildhafte Erfahrung, die einen förmlich mitnimmt in das Wohnzimmer seiner Kindertage, wo ihn diese außerkörperliche Erfahrung ereilte. Dies ist nur der Anfang einer überaus spannend und ehrlich geschriebenen Autobiografie. Die Kunst des Scheiterns ist die Lebensgeschichte eines Musikers, der vielleicht sein ganzes Leben lang nach dieser Einheit gesucht hat, die er damals in jungen Jahren erfahren hat,
Aber Exzesse, Drogenmissbrauch und ein Zuviel von allem können einen Menschen nicht das erleben lassen, was das Universum einem als Gnade schenkt.
In seinem Buch schreibt der Münchner Liedermacher jedoch nicht nur über seine spirituellen Erfahrungen und seinen Glauben, sondern er schreibt noch viel mehr: über seine Erfolge, seine Fehltritte, aber auch über Vaterschaft und Verantwortung. Gnadenlos ehrlich und bewundernswert selbst reflektiert nimmt er den Leser mit auf eine literarische Berichterstattung seines Lebens.
Für mich ist dieses Taschenbuch keine bewegende Lebensbeichte, so wie das 237 Seiten starke Buch von der Münchner Abendzeitung beschrieben wird. Für mich kann man Wecker auch nicht auf seinen Kokaingebrauch und seinen Gefängnisaufenthalt reduzieren, so wie es bei Interviews mit ihm immer wieder gerne getan wird, wenn man ihm zu seiner Autobiografie befragt.
Für mich beinhaltet dieses Buch viel mehr. Es ist die Lebensgeschichte eines omnipotenten, lebenshungrigen, spirituellen und ehrlichen Menschen, gebeutelt von seiner eigenen Vitalität, und Sehnsucht nach Einheit und Wahrheit. Es ist aber auch das literarische Werk eines intelligenten Mannes, der die deutsche Sprache beherrscht, Philosophien und religiöse Strömungen durchdrungen hat und in der Lage ist, sie in einem kurzen Abschnitt wortgewandt und teilweise sogar äußerst poetisch zu vermitteln. Und es ist ein Buch, das Lebensfreude versprüht und anmacht, das Leben am Schopf zu packen und es aus ganzen Herzen zu leben und zu lieben! Immer wieder aufs Neue, egal wie sehr es einen zwischendurch schleift, beutelt und rannimmt.