Liebe und Pathos: Hormonbombe bannt Sülzgefahr

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

24.04.2009

Quelle

Abendzeitung München

Autor / Interwiever

Michael Grill

Konstantin Wecker gibt ein umjubeltes Konzert in der ausverkauften Philharmonie

Er sagt es selbst nach dem zweiten Stück: Wenn das "Weckersche Pathos" auf ein Drei-Stunden-Programm aus Liebes-Liedern und -Lyrik trifft, besteht "grosse Sülzgefahr". Konstantin Wecker hat diese Gefahr erkannt und umgeht sie in seinem neuen Programm "Stürmische Zeiten, mein Schatz" in der ausverkauften Philharmonie:

Die grössten Schmachtfetzen aus 30 Jahren Wecker voller Frühlingsgefühle und Herzrasen werden eingebettet in Ironie, Witz, musikalische Blödelei und Lust am derben Zitat von Walser bis Goethe. Dazu gelegentliche politische Einwürfe, ein bisschen Kapitalismus-Hass - und die famose musikalische Unterstützung durch die vier Streicher des Spring String Quartets (neben dem obligatorischen Jo Barnikel am Flügel).

Doch was für ein gigantisches Thema für diesen Mann, diese Hormonbombe namens Wecker: Die Liebe als ewiges Drama zwischen Sex und Tod. So tastet man sich mit ihm an die Kitsch-Grenze heran, bekommt aber immer rechtzeitig die Kurve. Man ergibt sich dem himmelweiten, weltallhohen, abgrundtiefen, bleischweren, luftleichten und feuerflammenwerfenden Gefühl. Dann schüttelt man sich - und das Leben geht eigenartigerweise doch wieder weiter.

Wecker bringt seine Klassiker, Neues und Improvisationen, plaudert über Schweinkram und die Sehnsucht nach einer besseren Welt im Inneren wie im Äusseren: "Leben ist Brücken schlagen über Ströme, die vergehen." So ein Satz kann schwer erträglich sein, er kann einem aber auch mal das Leben retten. Die Philharmonie seufzte, lachte und klatschte - stehende Ovationen.

Michael Grill

Weitere Konzerte: 16. 5. Schrobenhausen, 24. 5. Dingolfing

Abendzeitung München, 23.4.2009, Seite 18

(c) Verlag DIE ABENDZEITUNG GmbH & Co KG

Das Büro Wecker dankt Herrn Grill und der Abendzeitung herzlich für die Abdruckgenehmigung.