Pointiert, entschlackt und gut

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

28.04.2009

Quelle

Münchner Merkur

Autor / Interwiever

Zoran Gojic

Konstantin Wecker beweist in München seine Unterhalter-Qualitäten

VON ZORAN GOJIC

Manche lassen mit dem Alter nach, andere wachsen daran. Und nach dem furiosen Konzert in der ausverkauften Münchner Philharmonie darf man sagen: Konstantin Wecker tut das Alter gut. 62 wird er bald und präsentiert sein Werk nun pointiert und gleichsam entschlackt. Ließ er sich einst von der eigenen Leidenschaft in die unendlichen Weiten des diffusen Pathos reißen, spielt er nun präzise und aufregende Arrangements. Dabei hilft sicher das wunderbare Streichquartett "Spring String Quartett", es zwingt den notorisch Sprunghaften zur Disziplin.

Unglaublich, aber wahr -Wecker inszeniert stringent einen Themenabend zur Liebe. Singt, womöglich besser denn je, rezitiert lustvoll aus eigenen und fremden Werken und zeigt, der Wunder nicht genug, klassische Entertainerqualitäten. Seine Lieder interpretiert er abgeklärt, mitunter melancholisch. So wecken einige Texte ganz andere Assoziationen als zur Entstehungszeit, und das spricht für ihre lyrische Qualität. So wird die Ballade "Vom Herzen", die 1989 noch erdenschwer Poesie erzwingen wollte, nun allein durch die selbstironische Intonation ein anderes, mit Verlaub, besseres Lied.

Natürlich ist Wecker trotzdem Wecker. Wettert, sehr unterhaltsam, über Rentner im Jugendwahn und die Sensationspresse. Und gibt sich selber die Schuld für die Wirtschaftskrise: All die Spekulanten hätten seinen Hit "Genug ist nicht genug" zu sehr beherzigt. Sogar einen Witz bringt er unter, eigentlich ein Kapitalverbrechen auf der Bühne. Aber er ist wirklich gut, deswegen sei er schnell nacherzählt: "Trifft ein Planet den anderen. Meint der eine: ,Mir geht´s gar nicht gut, ich hab´ Homo Sapiens.´ Meint der andere: ,Mach Dir keine Sorgen, das geht schnell vorbei.´"