Der Mann am Klavier

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

17.02.2008

Quelle

Leverkusener Anzeiger

Dann steh´ auf und misch´ Dich ein. Sage: "Nein!" Oh, ja: Er war spürbar - dieser Geist von Anarchie, Revolte und des für Protest und Auflehnung so prägnanten Jahres 1968. Er war spürbar, als der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker jetzt vor 900 Zuschauern im großen Saal des Forums das allererste Leverkusen-Gastspiel seiner mittlerweile 40 Jahre andauernden Karriere gab. Zwei Stunden lang spielte er sich trotz Verletzung am rechten (Klavier-)Arm gemeinsam mit seinem musikalischen Intimus Jo Barnikel durch Lieder wie "Der alte Kaiser" oder "Es herrscht wieder Frieden im Land". Wecker lachte darüber "Wenn die Börsianer tanzen" und betonte "Es geht ums Tun, nicht ums Siegen!" Er gab manch herzerfrischende Anekdote aus seinem Familienleben preis und las den ein oder anderen, zum Schmunzeln anregenden Absatz aus seinem aktuellen Buch "Die Kunst des Scheiterns" vor. Er zog neben seiner zwischen Pseudolyrik und ersten seriösen Gehversuchen auf musikalischem wie literarischem Terrain schwankende Jugend ebenso durch den sprichwörtlichen Kakao, wie seine medial bis zum Maximum ausgeschlachtete Drogen- und Knastzeit in den 90er Jahren. Und er stellte hinterher fest: "I werd oid." - "Ich werd´ alt." Mit ihm gealtert ist sicherlich auch ein Teil seines Publikums, das im Forum aus langen Rauschebärten und langgezopften Haaren ebenso bestand, wie aus Anzugträgern und leger gekleideten Jugendlichen. Indes: Wer auch immer den Weg zu Wecker gefunden hatte - als der Künstler am Ende des Konzertes sichtlich verausgabt hinunter in die Sitzreihen ging und dort sang und Hände schüttelte, standen sie alle und applaudierten. Es war der tosende Applaus für einen begnadeten Liedermacher, der hierzulande einzigartig ist, noch immer Wichtiges zu sagen hat und für den es hoffentlich irgendwann einen ebenbürtigen Nachfolger geben wird. Dem Land wäre es zu wünschen. (frw)