Konstantin Wecker spielte im Wartenberg Oval

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

23.01.2009

Quelle

Fuldaer Zeitung

Autor / Interwiever

Michael Tillmann

ANGERSBACH Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Wartenberg Oval bei Angersbach gestern Abend beim Auftritt von Konstantin Wecker.

Als das Sein von Leichtigkeit - mit geballtem Sprachwitz, mit ungewöhnlichen, aber keinesfalls gewöhnungsbedürftigen Interpretationen alter und neuer Songs - kam der Liedermacher Konstantin Wecker am Donnerstagabend im Wartenberg Oval daher. Er kam, sang und begeisterte seine mehr als 600 Fans mit seinem Programm "Alles das und mehr".

Noch mehr gehört hätte das zum Schluss geradezu frenetisch jubelnde Publikum. Doch nach knapp drei Stunden und zig Zugaben war an diesem Abend dann endgültig Schluss für den Mann, der seit 40 Jahren auf der Bühne steht - und der anders als noch vor zehn, fünfzehn Jahren heute ein Stück weit neben sich steht, mit einer Portion Ironie und Lebensweisheit "The best of Wecker" darbot.

Er habe die Welt verändern wollen mit seinen Liedern, aber wenn man die Welt heute so sehe, dann müsse er sagen: "Ich war das nicht". Das ist Konstantin Wecker heute, ein Mann, der immer noch Kritik an Missständen aufzeigt, beispielsweise wenn er sich - ganz aktuell - die Bankenmanager vorknöpft und George Bernhard Shaw zitiert, der schon vor drei Jahrzehnten mit Blick auf derartige Führungskräfte über den Sinn der Guillotine sinniert habe. Das ist der Wecker mit der bösen Zunge. Doch der bayerische Liedermacher, der mit den neuen Zuständen nach der Landtagswahl im "demokratisch befreiten Bayern" kokettiert, ist ruhiger geworden.

Zurück zu den Anfängen - im Wartenberg Oval präsentierte sich vor allem der poetische Wecker, der über seine Sehnsüchte und vor allem auch - wie sollte es bei ihm anders sein - sein Verhältnis zum Mitmenschen und hier natürlich auch zu Frauen sang. Er wolle singen für alle, die noch auf der Suche seien - das war die musikalische Klammer des Abends.

Sein Publikum versteht das, versteht, was der Liedermacher will, der "Ohne Dich nicht sein kann", aber eben auch nicht mit Dir. Niemand könne die Liebe binden, dafür gefalle sich die Liebe viel zu gut. Es sind vor allem die Texte, es sind die vielen kleinen Geschichtchen, die er musikalisch verpackt. Dabei experimentiert Wecker auf seine alten Schaffenstage. Mal verlangsamt er das musikalische Tempo, wird jazzig oder hat den Blues im Blut. Und das alles tat er mit einem, mit dem seit vielen Jahren zusammenarbeitet - und der ihn auch im Wartenberg Oval wieder begleitete: Jo Barnikel, von dem Wecker sagt, er sei der beste Musiker, der ihn je begleitet habe.

Mit ging vor allem das Publikum, das der Künstler liebt. Und das merkt man. Nicht nur wegen der vielen Zugaben, die sich die Zuhörer erklatschten. Die Zeitreise ist gelungen - und "Der Sommer nicht mehr weit". Natürlich durfte dieser Song nicht fehlen. Was wäre Deutschlands poetische Liedermacherabteilung wohl ohne Konstantin Wecker? Ganz bestimmt ärmer, viel ärmer.