Musizieren mit Konstantin Wecker

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

10.07.2007

Quelle

Uni Würzburg

Musizieren mit Konstantin Wecker

05.07.2007, 09:38 Uhr

Einen prominenten Dozenten haben sich Studierende der Musikpädagogik geleistet: Der Liedermacher Konstantin Wecker war zwei Tage lang Gast an der Universität Würzburg. Finanziert aus den Studienbeiträgen hat Wecker den jungen Musikern in seinem Workshop "Songwriting" beim Komponieren und Arrangieren eigener Lieder geholfen. Die Präsentation der Ergebnisse fand jetzt vor einem begeisterten Publikum statt. Organisiert hat die Veranstaltung Prof. Friedhelm Brusniak, Inhaber des Lehrstuhls für Musikpädagogik und Didaktik der Musikerziehung.

"Ich bin völlig unvorbereitet zu dem Workshop gekommen und wollte nur mal zuschauen. In der Pause habe ich mich dann aber entschieden, auch ein Gedicht zu vertonen. Und es ist eigentlich was ganz Nettes dabei entstanden." Die junge Frau ist sichtlich nervös; fest umklammert sie den Mikrofonständer, ihr Blick verliert sich über das Publikum hinweg in einer hinteren Zimmerecke. Dann setzt das Klavier mit den ersten Akkorden ein - und die junge Frau bricht ab: "Moment, ich muss erst mal durchatmen." Drei tiefe Atemzüge, der Auftritt beginnt von vorne - und eine faszinierende Stimme bringt den Seminarraum zum Schwingen. Das Lied, die Stimme: alles klingt überaus professionell, gar nicht nach Studentin der Musikpädagogik. Verblüffte Gesichter im Publikum, dann Begeisterung, dann lang anhaltender Applaus und schrille Pfiffe. Die junge Studentin hat es geschafft. Auch Konstantin Wecker hält es vor Freude nicht auf seinem Stuhl.

"Ich bin unglaublich erstaunt, was für gute Musik in dieser kurzen Zeit hier entstanden ist", hatte der Liedermacher gerade eben noch zur Begrüßung des Publikums gesagt, bevor die Studenten und Studentinnen ihre neun einstudierten Lieder vorstellen. Überrascht sei er vor allem "vom hohen Niveau der Musizierenden" und von den "wunderschönen Stimmen der Damen". Dabei ist Wecker Gutes gewöhnt. Immerhin gibt er ähnliche Seminare auch an Musikhochschulen.

Ein alter Liedtext von Konstantin Wecker, ein Gedicht von Erich Kästner oder ein selbst gewählter Text: Das waren die Vorgaben für diesen Workshop am Wittelsbacherplatz. Dazu passend sollten die Teilnehmer - 15 junge Musiker - eine Melodie komponieren und sich Gedanken über das Arrangement machen. Dass etliche auch eigene Texte mitbrachten, fand der Liedermacher "sehr mutig". Anderthalb Tage hatte die Gruppe dann Zeit, aus dem Stückwerk komplette Musikstücke zu produzieren und zur Vortragsreife zu bringen.

"Historisch gesehen, ist hier eine neue Ära angebrochen: Sie haben sich Konstantin Wecker ´geleistet´ und etwas ermöglicht, was Früchte tragen wird": Mit diesen Worten hat Friedhelm Brusniak seinen Studenten für ihr Engagement gedankt. Der Musikpädagoge ist seit langem mit Wecker befreundet; die Idee, einen der "höchstkarätigen Liedermacher unserer Zeit" - wie Brusniak sagte - mit Hilfe der Studienbeiträge nach Würzburg zu holen, hatten die Studierenden unterstützt. Und weil ihr Anliegen auch bei Studiendekanin Heidrun Brückner auf offene Ohren stieß, war es möglich, Wecker an die Julius-Maximilians-Universität einzuladen. Dass es dabei nicht nur um den Spaß am Musizieren ging, war dem Musikpädagogen wichtig: "Was in diesem Workshop auch passiert ist, das waren Mutmachen und Fördern - zentrale Anliegen der Pädagogik", sagte Brusniak.

Dieses Mutmachen zeigt sich auch während der Aufführen der neun Lieder. Immer wieder gibt Wecker von seinem Platz aus den Musikern unauffällig Zeichen, klopft den Rhythmus, forciert das Tempo, fordert die Sängerinnen auf, mehr Kraft in ihre Stimme zu legen, und freut sich, wenn die Umsetzung gelingt. Als sein Lied "Warum sie geht" gerapt, mit einer kräftigen Basslinie unterlegt, durch den Saal dröhnt, schlägt sich Wecker vor Freude auf die Schenkel, sein Oberkörper wippt im Rhythmus, am Ende ruft er laut "Super" aus. Die Veranstaltung macht ihm sichtlich Spaß. Auch bei dem Kinderlied, das als letzte Nummer auf dem Programm steht, singt Wecker begeistert mit.

"Es war nicht so, dass man vor ihm Ehrfurcht hätte haben müssen", sagt Katharina Oberhofer, Studentin der Musikwissenschaft und -pädagogik. Dafür sorgte schon das "Du", das Wecker als erstes in die Runde einbrachte. Vor allem beim ungewohnten Improvisieren habe Wecker der Sängerin viel geholfen. "Er hat den Anstoß gegeben, wir haben ihn umgesetzt. Das hat viel Selbstvertrauen gegeben", sagt Oberhofer. "Die bemerkenswert angenehme Zusammenarbeit" hob Dennis Schütze hervor, Gitarrist und Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Musikpädagogik. Wecker sei ein guter Menschenkenner, der schnell Nähe erzeugen könne, sagt Schütze. "Wir haben deshalb sehr schnell von Musiker zu Musiker kommuniziert - nicht von Schüler zu Lehrer."

Und was allen Teilnehmern des Workshops gefallen hat: Wecker hat sich am Abend nicht ins Hotel zurückgezogen, sondern ist mit aufs Weinfest im Hofgarten gegangen und hat dort mit ihnen bis tief in die Nacht gefeiert.

Kein Wunder, dass alle Beteiligten so bald wie möglich ein da capo wünschen. Wecker jedenfalls ist dazu bereit: "Wir wiederholen den Workshop im kommenden Sommer", ist er überzeugt. Dann allerdings will er "drei bis vier Tage durcharbeiten" und anschließend ein schönes Abschlusskonzert aufführen. Sagt´s, verbeugt sich und gibt schnell noch zum Abschied ein Lied "a capella auf den Weg mit": Liebes Leben, fang mich ein, halt mich an die Erde. Kann doch, was ich bin, nur sein, wenn ich es auch werde.