Festspiele erWECKERt

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

19.05.2007

Quelle

hna

Autor / Interwiever

Markus Pfromm

Bad Hersfeld. Fulminanter Start in die fünfte Bad Hersfelder Jahreszeit: Mit einem begeistert gefeierten Konzert setzte Konstantin Wecker ein Ausrufezeichen zum Start in die Probenphase für die Bad Hersfelder Festspiele. Kraftvoll und provozierend, melancholisch und berührend, tiefgründig und dann auch wieder umwerfend komisch präsentierte der Künstler mit instrumentaler Begleitung von Jo Barnikel sein zweieinhalbstündiges Programm in der voll besetzten Stadthalle.
Revoluzzer als Reformeriche
Was ist Wecker eigentlich? Liedermacher trifft es genauso wenig ausreichend wie Blues-Poet oder Mundartsänger. Revoluzzer, der er wohl einmal gewesen zu sein glaubt, das ist er heute jedenfalls auch nicht mehr in Reinkultur, lustig macht er sich da eher schon über die Reformeriche. Denen voraus hat Konstantin Wecker eine wohltuende Ausstrahlung, wirkt 100 Prozent authentisch, wenn er mit Selbstironie, aber eben auch noch immer bissig voller Poesie und Fabulierlust kein Blatt vor den Mund nimmt. Das wiederum führt heutzutage natürlich nicht mehr zum Skandal. Dafür versprüht der Wortakrobat eine ganz andere, ebenfalls reinigende Wirkung: Klarheit und frisches, freies Denken.
Und so geriet das Konzert denn auch zu einer Art von ErWECKERung, zum hörbaren Wendepunkt, dass sich nun wieder etwas verändert in der Region. Die Festspiele kommen! Künstler arbeiten und ticken anders, pusten frech und so ganz und gar nicht bürgerlich den Mehltau von Stadt und Land. Wecker hat den Weg frei gemacht. So hat es sich Intendantin Elke Hesse für sich und ihr Ensemble gewünscht, als sie ihn mit diebischer Vorfreude ankündigte, ihren musikalischen Trumpf für die beiden Faust-Inszenierungen in ihrem diesjährigen Festspielprogramm ausspielte. Das stach.
Mit Konstantin Wecker durfte das Konzertpublikum Teil der Verwandlung sein, sich mit verändern beim Streifzug des lausbübischen Bajuwaren durch seine wilden Jahre. Andächtig still begleiteten ihn die Lauschenden in mehreren Passagen, die als Lesung angelegt waren. Die derben, eingängigen Texte waren für den noch nicht eingefleischten Wecker-Fan wohl die größte Entdeckung des Abends. Der eigenwillige Barde ist auch ein exzellenter, genau beobachtender Autor.
Herz, Biss und Verstand
Dass er sich charmant geben kann, kokett, schmeichlerisch und demaskierend, das hat er schon im Vorjahr bei seinem Stiftsruinen-Konzert aufblitzen lassen. Sein musikalischer Auftrag, Dr. Faust und Mephisto durch die Festspiele zu geleiten, lag und liegt folglich auf der Hand. Diese Verbindung passt - genauso wie der Kontakt zu seinem Publikum.
Viele Zugaben, große Herzlichkeit, Applaus im Stehen; Herz, was willst Du mehr? Vielleicht noch eine kleine Bissigkeit, die Konstantin Wecker von Dieter Hildebrandt, dem Grandseigneur des Kabarett´ entliehen hat. Frage: Was ist ein Volksvertreter im Vergleich zum Versicherungsvertreter? Antwort: Ein Versicherungsvertreter verkauft Versicherungen...
Das Publikum fühlte sich jedenfalls von Wecker nicht verkauft.