Frischzellenkur

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

08.02.2006

Quelle

Süddeutsche Zeitung

Autor / Interwiever

Ingeborg Schober

Konstantin Wecker symphonisch

"Im Namen des Wahnsinns, Sie sind verhaftet!" Fängt so ein Konzert mit den Münchner Symphonikern an? Zumindest mit Konstantin Wecker, der am Montagabend in der Philharmonie seine "Weck-Erlebnisse- eine musikalische Reise durch die Höhen und Tiefen" mit einem provokanten Marsch durchs Publikum eröffnete. Und gleich allen den Wind aus den Segeln nahm, die womöglich mit "weich gespültem Wecker" und Daunerschönklang rechneten.

Doch das Orchester, im ersten Teil in kleiner Besetzung "nicht der Sparmaßnahmen, sondern der Vorsichtsmaßnahmen wegen", war alles andere als kulturhoheitliche Staffage. Egal, auf was sich der klassisch geschulte Musiker und Sänger einlässt, es gelingt ihm mit gegenseitigem Respekt und einem Vergnügen, das sich an diesem Abend sofort aufs Publikum übertrug. "Fangen wir mit den Tiefen an, mit dem Scheitern", so Wecker verschmitzt. Da fielen die Pointen und Lacher reihenweise, wenn er musikalische Jugendsünden, Kleinkunstjahre und "Flops" kopfschüttelnd kommentierte.

Unterstützt von Weckers langjährigen Begleitern Norbert Nagel und Jo Barnikel untermalte das Orchester behände kleine und große Gesten, den Spiel- und Wortwitz, den Wecker ganz locker aus dem Ärmel schüttelte. Auch ohne massentaugliche Wecker-Gassenhauer - Ausnahme: "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" - bot er doppelsinnige Unterhaltung mit Tiefgang, aktualisiertes, zerpflücktes Liedgut, Dichterzitate, sozialkritische Querschläger, eingebettet in Vertonungen von Brecht, und Auszüge aus seinen Musicalarbeiten im Duett mit Sängerin Heleen Joor. Als Auftakt dazu spielten unter Leitung von Manfred Knaak die Symphoniker eine viersätzige Suite aus Weckers Filmmelodien bis hin zum delirischen "Kir Royal"-Thema. Das Ernste nicht so ernst, das Leichte nicht so leicht nehmen und viele deftige, schwarzhumorige Notenzeilen dazwischen machten den Abend zur Frischzellenkur für Kopf und Gefühl.