Konstantin Wecker zu Gast im Lörracher Burghof

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

17.02.2006

Quelle

Oberbadisches Volksblatt

Autor / Interwiever

Michaela Wassmer

Der Ja-Sager in uns hört nicht gern, was ihm Konstantin Wecker mit seinem Programm Ich gestatte mir Revolte zu sagen hat: Plädoyers wider den Kadavergehorsam, Appelle an Eigenverantwortung und Solidarität. Die musikalisch-literarische Tour d´horizon des Münchner Künstlers sorgte im Lörracher Burghof für gehobene Unterhaltung und einer Menge unbequemer Fragen.
Friede den Hütten, Krieg den Palästen: Der Liedermacher und Autor versucht eine Revolte in jeder Hinsicht und auf hohem Niveau. Ohne kopierte Che Guevara-Attitüde, dafür mit Gedichten, Briefen und Romanen engagierter Schriftsteller, die gegen die Spielarten des Unrechts anschrieben: Brecht, Büchner, Mühsam oder Heine. Galgenhumor wechselt sich ab mit bissiger Politsatire, Zynismus mit revolutionären Parolen. Dostojewskis Dokument über die Verbannungszeit in Sibirien enthüllt die absurde Mechanik der Folter, macht betroffen angesichts seiner Aktualität. Das Klavierduo Ulrich Meining und Damian Zydek akzentuiert mit einem variantenreichen Repertoire Weckers wohl intonierte Sequenz-Lesungen.
Konsequent schreibt sich das Leitmotiv Revolte in Weckers politischen Liedern fort. Der bekennende Pazifist verleiht seiner Verehrung für Hans und Sophie Scholl ergreifenden Ausdruck, vertraut in Rentneraufstand auf das revolutionäre Potential der älteren Generation. Er entlarvt die Bigotterie in Stilles Glück, trautes Heim und ruft mit Sag Nein! kraftvoll zum Widerstand auf. Die Revolte in Reinkultur sieht Wecker jedoch in der Stille: Dies wird deutlich, wenn der Protagonist seines Romans Der Klang der ungespielten Töne ein Archiv der stummen Laute anlegt. Deutlich auch in seinem Lied Am Flussufer.
Die Balladen während der großzügig bemessenen Zugabe waren nicht nur eine Konzession an die Zuschauer, die neben Revolte auch nach Emotionen verlangten. Bis zum Schluss war die Spielfreude des 59-Jährigen spürbar.
Ich wollt mit meinen Liedern die Welt verändern. Ich stelle fest, die Welt wird von irgendwelchen Idioten verändert, aber nicht von mir, gibt Wecker dem Publikum auf den Weg. Er kokettiert mit der Ironie des Unterlegenen. Freilich, ohne dabei seine Waffen niederzulegen: Die Musik und das Wort.