Feigheit trägt Früchte

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

08.03.2006

Quelle

Mitteldeutsche Zeitung

Autor / Interwiever

Andreas Montag

Halle/MZ. Das Gegenteil von Zivilcourage hat einen hässlichen Namen: Feigheit. Es lässt sich aber bequemer damit leben. So lautet, bündig formuliert, die Botschaft der Halberstädter Behörden.

Sie haben Konstantin Wecker den Auftritt in einem Gymnasium verweigert - nicht, weil der unter dem Motto "Nazis raus" singen wollte, sondern weil ein regionaler NPD-Führer mit der Androhung massiver Präsenz seiner Gesinnungsgenossen Druck auf die Verwaltung ausgeübt hat. Ein beschämender Vorgang, in jeder Hinsicht.

Natürlich werden sich beschwichtigende Erklärungen dafür finden lassen, weshalb man am Harz so entschieden hat: Gefahrenabwehr, öffentliche Ordnung und Sicherheit, ohnehin gibt es viele Rechtsextreme in der Gegend... Aber darum geht es in der Hauptsache gar nicht. Denn wie man es auch dreht: Die Moral von der Geschichte bleibt, dass sie keine hat.

Wo sind wir denn, wenn das Muskelspiel eines NPD-Funktionärs genügt, einen Künstler aus der Stadt zu jagen? Und welche Lehren werden die Schüler daraus gezogen haben? Dass die Demokratie eine feine Sache für Sonntagsreden ist und man ansonsten besser den Schwanz einkneift? Die Herrschaften von der NPD werden beim nächsten Aufmarsch umso lauter brüllen.