Revolte verpackt in schöne Poesie kann auch Spaß machen

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

12.07.2005

Quelle

Ludwigsburger Kreiszeitung

Autor / Interwiever

Arnim Bauer

Konstantin Wecker vital wie eh und je

"Ich gestatte mir Revolte" nennt Konstantin Wecker sein Extraprogramm, das er im Rahmen der Schlossfestspiele in der Bietigheimer Kelter am Wochenende zwei Mal zeigte.

Ein besonderes Programm, denn der Liederpoet singt dabei nicht nur, sondern liest auch, rezitiert. Und vor allem hat er sich zusammen getan mit zwei hervorragenden klassischen Pianisten, Ulrich Meining und Damian Zydek.

Und so wechseln Weckers Darbietungen sich ab mit klassischen Klavierklängen. Nicht irgendwelchen, Wecker versteht es immer wieder, Rachmaninow oder Poulenc in Zusammenhang zu bringen mit seinem Thema, der Revolte, die er sich hier also gestattet. Zunächst einmal poetisch-musikalisch, bestückt aus dem reichen Fundus seines eigenen Schaffens, aber auch mit Texten von Erich Mühsam, Carl Amery, Dostojewski, Oskar Maria Graf oder Georg Büchner.

Alle recht unverdächtig, honorig, preisgekrönt, schullesebuchtauglich. Und doch waren sie zu ihrer Zeit Rebellen, haben Unerhörtes geschrieben und Wecker hat keine Mühe dies auch rüberzubringen.

Literarisch war Revolte natürlich schon immer netter als in der Wirklichkeit. Verpackt in schöne poetische Bilder, mit spitzer Satire gewürzt, macht sie Spaß, und je weiter sie zeitlich entfernt liegt, ist sie sogar gesellschaftsfähig.

Oder wenn von der inneren Revolte die Rede ist. Die haben wir doch alle in uns. Nur rauslassen tun sie die wenigsten so richtig. Aber Wecker spricht auch von heute, von der gesellschaftlichen Realität, stellt Bezüge her. Und wenn er dann postuliert, "Wir brauchen keine Reformen, wir brauchen eine Revolution", dann ist das Erschrecken im Saal greifbar.

Der Mann nimmt und meint es ja ernst!

Nur ein jämmerlich einsamer Klatscher ist bei diesem Satz zu hören, den Wecker auch in seinem normalen Konzertprogramm sagt, und dort regelmäßig recht kräftigen Beifall erntet. Aber das Publikum bei den Schlossfestspielen ist ein anderes und nicht unbedingt immer einer Meinung mit dem Mann auf der Bühne.

Der erreicht dieses Publikum aber trotzdem, denn irgendwann setzt sich seine poetische Wortgewalt durch, bewundert man sein Klavierspiel, das auch in der Konkurrenz zu den Pianisten so viel Vitalität ausstrahlt, lauscht man seiner markanten Stimme und lässt sich auf die Bilder und Metaphern ein, in denen er ein Meister ist.

Und Revolte leistet man sich an so einem Tag eben auch mal.