Der aufgeweckte Konstantin

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

23.04.2005

Quelle

Tiroler Tageszeitung

Autor / Interwiever

Klaus Erler

Konstantin Wecker überzeugte mit einer dreistündigen Show im Innsbrucker Hafen

Von KLAUS ERLER

Konstantin Wecker singt gegen Wirtschafts-Führungskräfte, den Krieg, den Rassismus und für die Liebe. Damit trifft er genau den Nerv seiner Fans.

INNSBRUCK. Sein "R" rollt fantastisch wie eh und je, wenn Konstantin Wecker den "Rrrevoluzzer" besingt und den "Börrrsianer", jene zwei Menschentypen, denen er sich mit großer Freude widmet. Sein "N" kommt altbekannt nasal, wenn er den herrschenden politischen und gesellschaftlichen Strukturen sein "Nein" entgegenruft.

Spott und Utopien

Wer also dachte, dass Konstantin Wecker 32 Jahre nach der Veröffentlichung seines ersten Albums bereits ein wenig müde geworden sein muss, der wird gleich zu Beginn des Konzerts im InnsADbrucker Hafen eines Besseren belehrt .Mit federndem Schritt und gebräunter Haut präsentiert sich der 57-jährige Bayer in bester Bühnenlaune, verspricht, auch diesmal wieder nicht zu tanzen, setzt sich hinter den Flügel und beginnt - begleitet von seiner dreiköpfigen Band - ein Konzert, das mehr als drei Stunden dauern wird. Und spart, während seine Finger romantische Melodienläufe aus dem Klavier kitzeln, von Anfang an nicht mit Spott: Da besitzen im Weckerschen Universum Pensionisten im Augenblick mehr revolutionäres Potenzial als die Jugend, da werden Wirtschaftsbosse durch den Champagner gezogen und da will der bayerische Barde mit Hinweis auf eine Bild-Schlagzeile als Deutscher päpstlich behandelt werden, weil: "Wir sind Papst!" Wecker entwickelt aber auch Utopien wider die Gier, spielt hatscherte Walzer gegen kleinbürgerliche Idyllen und "Trautes Heim, Glück allein" und wechselt inhaltlich wie musikalisch immer wieder zwischen Dur und Moll.

Gut eingespielte Band

Seine Band begleitet Konstantin Wecker perfekt eingespielt, bleibt meistens im Hintergrund und liefert das eine oder andere Liebespfand zu Weckers Klavierspiel: ein jazziges Saxofonsolo, einen melancholischen Akkordeonlauf oder sanfte Glockenspielklänge für Texte, die sich um den "Jahrmarkt der Eitelkeiten" drehen, perkussive Einlagen zu schnelleren, latin-jazzig angehauchten Songs.Konstantin Wecker will mit seinen Liebesliedern und Texten "Träumer gegen eine entzauberte Welt" sein, versucht, eigene Schwächen durch laufendes Bekenntnis in Stärke umwandeln und seinem Publikum Mut zur "nächstenliebenden Gegenkultur" zu machen. Damit trifft er genau den Nerv seiner Innsbrucker Fans und erntet nach einem dreistündigen Marathonkonzert Begeisterung und Standing Ovations.