Sternstunde mit Wecker

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

26.04.2005

Quelle

tz München

Autor / Interwiever

Marco Schmidt

Früher ist er schnurstracks auf den Flügel zugestürmt und hat zornig drauflos revoluzzt. Heute schlendert er pfeifend auf die Bühne und singt erst mal ein Liebeslied. Konstantin Wecker ist noch immer ein Revoluzzer. Aber ein anderer, abgeklärter, altersweiser: einer, der erkannt hat, was für eine revolutionäre Kraft in der Stille liegt. Mit seinem triumphalen Auftritt im Circus Krone hat er bewiesen, dass er sich trotz aller Veränderungen treu geblieben ist. Dass er den Spagat zwischen Politik und Poesie nach wie vor beherrscht wie kein anderer. Und dass er nichts eingebüßt hat von seiner eindringlichen Kraft und seinem anarchischen Witz.

Besonders spannend an seinem neuen Programm: Wecker stellt den Liedern seiner aktuellen CD "Am Flussufer" jeweils ein älteres Werk zur Seite, kombiniert etwa die beiden Vater-Sohn-Dialoge "Flaschenpost" und "Vaterland" - und hat den Mut, seinen leidenschaftlichen Aufruf "Sage nein!" sofort mit dem Lied "Vom Sinn" ironisch zu brechen. Der direkte Vergleich zweier im Abstand von 25 Jahren entstandener Liebeslieder zeigt: "Alles ist anders - und doch, wie es war!"

Vor allem aber hebt sein Zusammenspiel mit den phänomenalen Musikern Jo Barnikel, Norbert Nagel und Hakim Ludin die Lieder an diesem dreieinhalbstündigen Abend in eine neue Dimension: Dank der neuen Arrangements und der unbändigen Spielfreude der Improvisationskünstler klingen selbst Uralt-Klassiker wieder so frisch, als seien sie gerade erst entstanden. So hinterlässt der neue alte Wecker die Zuschauer nach einem Dutzend Zugaben wunschlos glücklich. Eine Sternstunde!