Zeitreise durch das Weckerland

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

14.02.2005

Quelle

Augsburger Allgemeine

Ein starker Liederabend

Neusäß (de)

Er trägt jetzt Brille, doch dieses "Weckerleuchten" in den Augen blitzt wie eh und je ins Publikum, das zwar mit Konstantin Wecker (auch schon 57) älter geworden ist, aber wie einst 1977 meint: Genug ist nie genug. Die gelungene Verknüpfung alter und neuer Lieder begeistert beim Start der neuen Tournee "Am Flussufer" in Neusäß (Kreis Augsburg) die Zuhörer. Wecker gefällt das sichtlich. Ein Blick auf die Uhr, erst 22.45 Uhr, der Meister hängt noch eine weitere Runde dran.

Konstantin Wecker, verheiratet, Vater von zwei kleinen Kindern, ist noch immer der alte Sozialrebell, der gegen Ackermann´schen Stellenabbau ("Wenn die Börsianer tanzen") ansingt und sich gegen die braune Flut stemmt ("Misch dich ein, sage nein"). Vor 25 Jahren sei er ein ziemlicher Revoluzzer gewesen - "aber wer macht si schon di Ploag und revoluzzt an ganzen Dog".

Wecker ist aber auch der einfühlsame Liedermacher, der wie kaum ein Zweiter die Gefühle des Lebens und der Liebe zu beschreiben und in Musik umzusetzen versteht. Das ist seine große Stärke: Die eigenen Lieder (wie etwa "Das ganze schrecklich schöne Leben") am Klavier zu spielen. Kraftvoll mitreißend, leise nachdenklich. Da kann ruhig ein Vierteljahrhundert dazwischen liegen. Was Wunder: Weckers erste Deutschland-Tour datiert von 1976. Jetzt besingt er in "Präposthum" einen 70-jährigen, der endlich das Leben genießen möchte und folglich von den Erben entmündigt wird. Die neue Tour (schon einmal, 1998, hat Wecker in Neusäß Premiere gefeiert) führt nach Berlin, Dresden, Frankfurt, Wien, Stuttgart, natürlich auch in den Geburtsort München. Auf die Bühne nimmt der Künstler den grandiosen Norbert Nagel (Saxophon, Klarinette, Flöte), Jo Barnikel (Piano) und Hakim Ludin (Percussion) mit. Das fügt sich so harmonisch zusammen wie in "Schlendern" besungen. Eine schlichte Zeile daraus - "am Flussufer stehn" - gab der Tour den Titel.

Im Zusammenspiel der vier quillt die Lebensfreude über. Das gefällt auch Weckers Mutter Dorothea, die in der ersten Reihe in der ausverkauften Stadthalle dem Konzert lauscht und dafür von Sohn Konstantin mit einem Lied von Brel belohnt wird. Das habe er seit zehn Jahren schon nicht mehr gespielt. Jetzt ist er ganz der brave Sohn.