Mit neuer Gelassenheit

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

20.02.2005

Quelle

Hamburger Morgenpost

Autor / Interwiever

Christoh Forsthoff

Früher, ja, da ist der Konstantin auf die Bühne gesprungen, geradewegs an den Flügel und hat los-revoluzzt. Heute kommt der Wecker pfeifend in die Musikhalle, setzt sich bedächtig auf den Hocker, singt ein kleines Liebeslied. Um sich dann selbstironisch auf die Schippe zu nehmen: Der Text "Präposthum" handle von einer Art Rentneraufstand - "in vorauseilender Solidarität geschrieben", grinst der 57-Jährige.

Ja, auch Revoluzzer werden älter - musikalisch indes klingen nicht nur die Songs seiner neuen CD "Am Flussufer" wie einem Jungbrunnen entsprungen. Zumal die Wecker-Veteranen Jo Barnickel und Norbert Nagel mehr denn je an Klavier und Blasinstrumenten brillieren und Perkussionist Hakim Ludin sich als fantastischer Geräusche-Zauberer erweist.

Der Sänger selbst aber hat seine romantische Ader wiederentdeckt, treibt einem in "Das ganze schrecklich schöne Leben" mit unvergleichlicher Kindheits-Poesie eine Träne ins Auge. Natürlich schimpft auch der Polit-Barde noch immer, gegen Krieg, Kapitalismus und das verlogene Politik-Geschäft, sorgt sein "Vaterland" für Gänsehaut - "geschrieben lange vor Hoyerswerda und bevor die NPD in Sachsen in den Landtag einzog". Und doch steht über all dem nicht mehr zuvorderst die politische Missionierung, sondern eine neue Gelassenheit. Dass Wecker sich dabei in seinen Werten dennoch treu bleibt, das ist vielleicht der größte Sieg seiner Revolution.