Ein Sänger, der zur Stille mahnt

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

03.03.2005

Quelle

WDR2-MonTalk

"Die Stille ist die einzige Möglichkeit, etwas von sich zu erfahren." Leise Töne schlug der Liedermacher Konstantin Wecker am Montag (28.02.05) im WDR2-MonTalk an - aber auf die altbekannte Kritik, ein Egomane zu sein, reagierte er fuchtig.

Ein "Rotz" sei das, was Journalisten da über ihn geschrieben hätten, eine Unverschämtheit, sich in ein anderes Leben einzumischen. "Ihr Journalisten meint, ihr hättet das Recht, die ganze Welt anzugreifen", hielt Konstantin Wecker WDR2-Moderatorin Randi Crott vor, die mit ihm über Pressezitate reden wollte. Viel Wut lag auch in seiner Stimme, als er kritisierte, dass die Medien ihn nach seinem Drogen-Absturz verrissen hätten. "Ausgewalzt" wurde seine Geschichte, ohne Respekt, meinte der Münchner. Vor Gericht sei es leider seine einzige Rettung gewesen, die Drogenprobleme offen zu legen. Er musste erklären, dass er das bei ihm gefundene Kokain selbst genommen und nicht damit gedealt hatte. Sechs Jahre Knast drohten. Die Jahre abzusitzen, hätte er sich zwar noch vorstellen können, aber wegen seiner Schulden wäre das der finanzielle Untergang gewesen, sagte Wecker. Weicher und ruhiger sprach der 57-jährige Musiker dann über die "heilsame Zeit" danach: wie er nach der Verhaftung endlich allein mit sich selbst war und sich "neu entdeckte".

Lob von "Groupie" Alexandra Kassen

Keine bösen Zitate, sondern nur Lob und Streicheleinheiten gab es für Wecker von den beiden Überraschungsgästen im Studio: dem Musiker-Kollegen Peter Herbolzheimer und der Theaterchefin Alexandra Kassen. Die große alte Dame des Kölner Senftöpfchen-Theaters bezeichnete sich gar als "Groupie" des jüngeren Künstlers. Schon in den 70er Jahren hatte sie den Liedermacher bei sich auf der Bühne. Eine Gänsehaut habe sie bekommen, "denn seine Lieder gehen runter bis in den kleinen Zeh". Das, was sie damals schon an ihm mochte - "seine Wärme, Intelligenz und sein gutes Aussehen" - habe er bis heute nicht verloren. Vielleicht seien deshalb immer noch so viele Frauen im Publikum, vermutete die Prinzipalin. Der zweifache Vater, der mit einer mehr als 20 Jahre jüngeren Frau verheiratet ist, wollte den hohen Damenanteil in seinen Konzerten eher mit den kritischen Inhalten seiner Lieder begründen: Frauen seien wohl eher bereit, ein fest gefahrenes Weltbild aufzugeben.