Stehende Ovationen für Texte über den Krieg und die Liebe

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

07.03.2005

Quelle

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Autor / Interwiever

Andrea Hoymann

Balladen über die Liebe und Stücke gegen den Krieg. Konstantin Wecker zeigte sich bei der Präsentation seiner neuen CD "Am Flussufer" in der Stadthalle von seiner vielschichtigen Seite.

Bei der achten Veranstaltung in der Lied.Gut-Serie des Ringlokschuppen und des Kulturbetriebs bleiben am Samstagabend einige Stuhlreihen leer. Zurückhaltend ist der erste Applaus für Konstantin Wecker, der pfeifend - mit der linken Hand in der Hosentasche - lässig auf die Bühne schreitet. Begleitet wird er von Jo Barnickel am Piano, Norbert Nagel am Saxophon und Hakim Ludin an den Percussion. Wecker beginnt sein Konzert mit einem fröhlichen Lied über einen "Revolutzer" und frotzelt im Anschluss über den Rentner als "einzig revolutionäre Kraft in Deutschland". Dem 57-jährigen Musiker ist anzumerken, dass er Spaß hat auf der Bühne. Temperamentvoll haut er in die Tasten seines Klaviers und nimmt auch schon mal den Fuß zur Hilfe, wenn die Finger nicht mehr ausreichen. Die Themen, die er in seinen Liedern aufgreift, sind vielseitig. Mal witzelt er über die Spießigkeit des Kleinbürgertums, singt dann wieder gefühlvoll über das "schrecklich schöne Leben".

Wecker gestaltet fast drei Stunden Programm unwahrscheinlich abwechslungsreich. Er singt ernste Titel über Rechtsradikalismus und Krieg, ohne dem Zuschauer das Gefühl zu geben, mit dem erhobenen Zeigefinger belehrt zu werden. Übergänge vom Nachdenklichen ins Scherzhafte meistert er mühelos, ohne ins Straucheln zu gelangen.

Auch melodisch sind Wecker und seine Musiker abwechslungsreich. Ruhige Songs werden von Fluss- und Naturgeräuschen untermalt, wieder andere Stücke werden von harten, marschmusikartigen Rhythmen begleitet. Zwischen einzelnen Titeln lässt Wecker gern Zitate einfließen. Oskar Maria Graf und George Bernhard Shaw verleihen seinem Programm weiteren Tiefgang. Das Publikum wird mehr und mehr mitgerissen von den vier Musikern. Es wird gejubelt und geklatscht. Nach einem unterhaltsamen und anspruchsvollen Programm belohnen die Zuschauer die Künstler mit stehenden Ovationen.