Suche zu sich selbst

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

21.10.2004

Quelle

Augsburger Allgemeine

Autor / Interwiever

Klaus-Peter Mayr

Konstantin Weckers Roman "Der Klang der ungespielten Töne"

Konstantin Wecker ist Liedermacher, Pianist, Schauspieler und Musical-Komponist - mit dem aktuellen Auftrag für ein neues Ludwig-Stück in Füssen. Als ob das alles nicht schon genug wäre, betätigt er sich auch noch als Schriftsteller. Jetzt hat der 57-jährige Münchner seinen zweiten Roman auf den Markt gebracht, "Der Klang der ungespielten Töne". Es ist ein gutes Buch. Schreiben kann Wecker nicht nur wortgewaltige Lieder, sondern auch fesselnde Romane.

Vor etwa vier Jahren schon hat Wecker das Korsett aufgesetzt, fast in einem Zug, wie ein großes Gedicht. Inhalt: der Lebensbericht des Musikers Anselm Hüttenbrenner. Wie in einem klassischen Entwicklungsroman muss dieser Mensch, der auf der Suche nach einem sinnerfüllten Leben ist, viele Schritte durchmachen, um zu sich selbst zu finden.
Musikalisch begabt ist dieser Hüttenbrenner; er hat Erfolg im knallharten Musikbusiness. Doch in der Hektik, im Lärm eines solchen Lebens wird er immer unzufrtiedener. Zwei Menschen bringen ihn schließlich auf einen anderen Weg: der Musiker Karpoff, der eine klassische Meister-Rolle spielt, und eine schöne Cellistin. Hüttenbrenner findet nun Ruhe in sich selbst und kann Klänge hören von nicht gespielten Tönen. Für die Außenwelt ist er zum Wahnsinnigen geworden; sich selbst glaubt er am Ziel seines Suchens.
Es liegt nahe, in dem Roman Autobiographisches entdecken zu wollen. Das stimme nur zum Teil, sagt dazu Wecker. Aus seiner Kindheit habe er zwar viel verarbeitet; der Rest aber sei fiktiv. Gleichwohl stecken offensichtlich eine Menge Erfahrungen des lebenshungrigen Menschen Wecker in diesem Buch - die Erlebnisse von einem, der gerne in die Vollen ging, bis hin zum totalen Absturz in die Kokainsucht.

Es dominieren leise Töne

Gnadenlos geht Konstantin Wecker mit der kommerziellen Musikbranche ins Gericht. Wenn ihm etwas nicht passt, dann findet er schneidende Worte und Sätze. Das ist in seinem Roman nicht anders als in seinen Liedern. Doch grundsätzlich dominieren andere Töne, leise, poetische, zarte und philosophische. Eine ganze Menge gereifter Gedanken sind zu finden, Sätze wie dieser: "Nichts ist zu vergleichen mit den Freuden der Bescheidenheit nach einem Leben allmächtigen Wahns."
Solche und ähnliche Sentenzen deuten darauf hin, dass das Buch zu Weckers Neuanfang nach großer Krise gehört. Er ist immer noch auf der Suche nach dem Leben. Vielleicht sogar mehr denn je. Einige Sackgassen hat er ja schon getestet. Nun ist er auf dem Weg zur inneren Ruhe. Seine Romanfigur Anselm Hüttenbrenner scheint sie gefunden zu haben. Beim umtriebigen Autor Konstantin Wecker kann man sich das weniger vorstellen.