Konstantin Wecker und die "Revolte"

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

18.11.2004

Quelle

Ostsee-Zeitung

Autor / Interwiever

C. Rödel

Im Remter des Kulturhistorischen Museums war er live zu erleben: Der Sänger, Liedermacher und Rezitator Konstantin Wecker. Die Stralsunder waren begeistert und applaudierten kräftig.

Stralsund - Bürgern mit politischen Liedern einen Schrecken einzujagen, um sie wachzurütteln aus ihrer Lethargie, ist Konstantin Wecker ein Herzensanliegen.
Dem Image des revoltierenden Haudegens gegen gesellschaftliche Missstände ist der Münchener bei seinem Auftritt am Freitagabend im Remter geradezu lustvoll treu geblieben. Mit dem neuen Programm "Ich gestatte mir Revolte" zeigte sich Wecker aber auch von einer selbstreflektierten Seite, die sein bisheriges Leben kritisch in Frage stellt. Dass bei aller Revolte immer die Gefahr besteht, als erstarrter Revoluzzer zu enden, ist ihm bewusst.
Ein passendes, ironisches Gedicht von Erich Mühsam hatte er dazu gleich parat und brillierte im ersten Teil mehr als Rezitator denn als Sänger. Wer im ausverkauften Remter nur wegen der Lieder des Sängers kam, musste sich etwas gedulden.
Im Wechsel mit Klavierstücken des exzellenten Pianisten-Duos Ulrich Meining und Damian Zydek deklamierte er Texte von Villon bis Brecht. Kraftvoll in die Tasten griff Wecker aber natürlich auch schon vor dem großen Finale und brachte seinen schwarzlackierten Flügel samt Bühne zum Beben.
Die fünfte Version des Klassikers "Willy", dessen Inhalt eine Bestandsaufnahme des seelischen Zustandes nach etlichen persönlichen Krisen darstellt, traf ins Mark. Da sang ein dünnhäutiger, gereifter Berserker, dessen körperliche Vitalität sich in neue spirituelle Kraft verwandelt zu haben scheint. Der Wucht seiner aktuellen Liebeslieder konnte sich kaum jemand im Publikum entziehen.
Die Zugaben wurden zum eigenständigen Programmteil, bei dem sich die Zuhörer sogar etwas aus dem Weckerschen Repertoire wünschen durften. Den Amerika-Song zum Beispiel, der aus dem Frust über die erneute Wahl von Bush keinen Hehl machte. Mit "a bissel Wut, aber keinem Hass" entließ Wecker sein Publikum und sang nach frenetischem Applaus noch ein Liebslied.