Lebensstationen

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

15.03.2004

Quelle

Allgemeine Zeitung

Autor / Interwiever

Jan-Geert Wolff

Zu Konstantin Weckers Auftritt in Mainz

"Ich singe, weil ich ein Lied hab´", heißt ein Song von Konstantin Wecker. Es ist auch das Lied, mit dem er sein Mainzer Konzert beginnt. Es ist eines der vielen Bekenntnisse des Barden mit der bewegten Biografie. Und es scheint sein Motto , sein Lebenselixier zu sein.

Weckers aktuelle Tournee betrachtet die Stationen seines Lebens, das so untrennbar mit der Bühnenpräsenz und deren Licht- wie Schattenseiten verknüpft ist. "Stationen" ist aber mehr als eine Aneinanderreihung von bekannten Liedern: Wecker (56) nimmt sein Publikum mit auf eine musikalische, spannende wie unterhaltsame Zeitreise. Begleitet wird er dabei von zwei alten Weggefährten: Jo Barnikel an den Keyboards und Norbert Nagel mit Saxophon und Klarinette. Geschichte und Geschichten, Persönliches und Allgemeines verdichten sich hier zu einer klingenden Biografie, wie man sie spannender kaum zu schreiben vermag.

Angefangen hatte der Barde in Kleinkunstkneipen vor zehn Leuten. Und seine erste Platte, die "Sadopoetischen Lieder des Konstantin Amadeus Wecker", aus der der Liedermacher einige Songs anspielt, kam überhaupt nicht an - noch zog er in seinen Liedern die derbe Fleischeslust den geistigen Höhenflügen vor.

Er machte weiter und erlebte die Zeit, als "die Plattenbosse noch Interesse an Musik hatten und nicht nur Geld verdienen wollten" - was ihm die Chance gab, sich zu entwickeln. Immer wieder spielt Wecker "Tondokumente" dieser Zeit, und das Publikum im Eltzer Hof hängt an seinen Lippen: "Ich lebe immer am Strand", "Genug ist genug" oder "Es herrscht wieder Frieden im Land". Wecker, der Ex-Junkie, spricht von "Abenteuern und Experimenten" und singt dann das Lied "Endlich bist Du wieder Du". Er ist wieder aufgestanden - auch diese Station hat er hinter sich gelassen. So widmet sich der zweite Konzertteil der jüngsten Platte "Vaterland", die die Entwicklung "vom Berufsjugendlichen zum älteren Herrn" dokumentiert: "Wehdam", "Allein", "Wenn die Börsianer tanzen". Und dann ist da wieder der politische Wecker, der die aktuelle Amerika-Kritik nicht platt ausnutzt, sondern seinen genialen Appell "Sage nein" zum Lied gegen den Krieg umgeschrieben hat.

Als letzte Nummer singt er das, denn so kann der perfide Provokateur mit seinem ironischen Lied "Amerika" noch eine Zugabe drauf setzen, die seine Forderung unterstreicht. Einige Zugaben später trägt Konstantin Wecker noch zwei neue Lieder seiner im Herbst erscheinenden Platte vor.

Nach drei Jahren ist also wieder einiges gewachsen, was "raus muss". Und das klingt viel versprechend. Es klingt nach weiteren Stationen und lässt hoffen, dass noch lange keine Endstation ist.