Träume vom Feenwald und vom Meer

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

06.05.2004

Quelle

SHZ

Autor / Interwiever

Maike Nicolai

"Bis zum nächsten Mal. Wir sehen uns wieder." Konstantin Weckers Abschiedsversprechen bringt sein Publikum in der Hamburger Fabrik noch einmal zum Toben. Hat man doch während seines dreistündigen Konzerts oft befürchtet, dass es ein letztes Aufbegehren vor der Rente sein könnte. Nicht dass dem bayrischen Liedermacher-Urgestein die Energie ausgegangen wäre. Doch sein Programm "Stationen" hat arg den Charakter einer Lebensbilanz.
Aber: Vor drei Wochen "platzte ein Knoten" und er fand sich wieder im Schaffensrausch, sagt Wecker, ehe er zwei seiner neuesten Lieder spielt. "Man müsste noch mal fünf, sechs Jahre alt sein" beginnt ein Stück funkelnagelneuer, aber herrlich vertrauter Wecker-Poesie: Ein Feenwald gleich am Haus, und hinterm Stadtpark parkt das Meer ...
Der 56-Jährige, der Karriereknicks überwand und persönliche Ausrutscher ausbügelte, träumt und zaubert weiter. Seine Weggefährten, Jo Barnikel (Piano/Keyboard) und Norbert Nagel (Saxofon, Klarinette, Flöte, Percussion) begleiten und behüten ihn dabei wie einen Altmeister. Nagel dreht in seinen Soli auf bis zur Ekstase - doch Weckers Bühnenpräsenz bleibt stets unangefochten.
Wenn die "Stationen"-Tour wirklich eine Bilanz ist, dann hat Wecker auf der Haben-Seite einiges zu verbuchen: Rührende und packend-derbe Liebeslieder, wütende politische Statements, beißende Gesellschaftskritik und sympathische Selbstironie. Dafür liebt ihn sein Publikum, das mit dem Galopp durch Weckers 30-jährige Karriere von "Sadopoetischen Gesängen" bis "Wehdam" auch die eigene Biografie abspult - man ist zusammen alt geworden.
Man hat Leidenschaften durchlebt: "Was für ein Gefühl, tiefer als das Meer, doch wie tief ist das Meer?". Man hat ein Nest gebaut: "Stilles Glück, trautes Heim, keiner schaut zum Fenster rein." Man hat aufbegehrt: "Steh auf und misch dich ein! Sage Nein!" Und man sehnt sich nach der Wärme von Weckers Liedern: "Was für eine Nacht, so warm und geduldig, setzt euch näher zu uns her, schenk noch einmal ein."
So kann es nur erleichtern, dass die "Stationen"-Tournee nicht das Ende der Reise ist. "Genug ist nicht genug" singt Wecker noch einmal zum Schluss. Man glaubt ihm wirklich gerne, dass er´s ernst meint.