Er mischt sich wieder ein

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

30.12.2003

Quelle

Süddeutsche Zeitung

Autor / Interwiever

Ingeborg Schober

Konstantin Wecker zeigt im Lustspielhaus viele Facetten


Mit "Ich singe, weil ich ein Lied hab´" begann Konstantin Wecker sein abwechslungsreiches und unterhaltsames Soloprogramm "Alles das und mehr" im Lustspielhaus. Bei diesem gesungenen und erzählten biografischen Streifzug am Klavier und Lesepult ließ der Liedermacher nichts aus: weder die pubertär frechen Lieder wie "Mein linker Arm" aus der ersten LP "Die Sadopoetischen Gesänge", noch die Höhen und Tiefen seiner Karriere, die Schreibblockade nach dem Drogenprozess und den Neuanfang mit Brecht-Vertonungen und "Novemberlied", dem ersten eigenen, neuen Lied über die lang verdrängte Schwermut.


Dabei jonglierte Wecker geschickt zwischen Politik und Poesie, Anekdoten und seinen prallen, anschaulichen Dichtertexten über "Tomaten am Balkon" und "Ich und Goethe". Nein, den "Willy" hat er nicht gesungen, aber der hat inzwischen einen würdigen, zeitgemäßen Nachfolger mit "Misch dich ein, sag nein", der ganz trefflich den Klassiker "Es herrscht wieder Frieden im Land" ergänzt. Erfreulich, wie der Sinnesmensch und der Besinnliche die feinen Zwischentöne neu entdeckt hat, das Komödiantische, die kleine Schauspielerei, und nicht nur mit "I werd oid" ironisch mit dem Älterwerden Frieden schließt.


Wecker, ganz alleine auf der Bühne, ist auch musikalisch ein Genuss, wenn er auf den schwarz-weißen Tasten neben barocken und auch mal orientalisch angehauchten Akkorden ganz en passant Blues, Swing und Lou Reeds "Walk On The Wild Side" einfließen lässt. Auch das Problem, um das ihn andere Künstler beneiden würden, löste er an diesem Abend sehr einfühlsam. Da in seinen exzessiven Zeiten die Zugaben oft länger als das Konzert waren, ließ auch an diesem Abend das Publikum nicht locker. Wecker schlich sich leise und lyrisch mit einem Lied für seinen Vater und einem Kästner-Gedicht aus dem Programm. Mit einem verschmitzten Lächeln.