Politik mit Poesie

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

18.02.2004

Quelle

Münchner Merkur

Autor / Interwiever

Patrick Hafner

Konstantin Wecker im Lustspielhaus

Ein Abend mit Konstantin Wecker birgt Überraschungen. Dass der deutsche Liedermacher auch auf Türkisch singt, hatten viele nicht gewusst. Dass er seine Kompositionen mit orientalischem Wehgesang bereichert, war Teil des Experiments, wie er dem ahnungslosen Publikum im Lustspielhaus verriet. Durch diese Offenheit hält der von Neugier Getriebene seine eigenen Klassiker frisch.

"Sage Nein!" klang im Orient-Mix am Montagabend noch besser, reicher und eindringlicher als gewohnt. Die Improvisationen der Gastmusiker vom Bosporus, aus Afghanistan und dem Irak saßen so zielgenau, als gehörten türkische Zupfinstrumente und die orientalische Rahmentrommel schon immer zu Weckers Repertoire. Nur einen Tag haben er und seine Stammmusiker Jo Barnikel, Gerd Baumann sowie Sven Faller mit den Neuzugängen geprobt. Doch ihre universale Sprache brachte die Musiker scheinbar leicht zusammen. Auch die bissig-ironischen Solonummern fehlten nicht im Programm.

Wenn Wecker in die Tasten griff, war die ungeheure Energie des 56-jährigen Querdenkers, des Verweigerers von Oberflächlichkeiten, zu spüren, dessen Botschaft sein Publikum in hübsch verpackten Akkorden berührt. Mit verschmitztem Lächeln und monströs das "R" rollend, erheiterte Wecker den Saal mit seinem Waffenhändler-Tango oder dem Stück "Wenn die Börsianer tanzen". Wecker als Jongleur zwischen Politik und Poesie. Einer, der den Irrsinn von Konsum und Weltpolitik gekonnt in Blues und Jazz persifliert.

Drei Mal erhob sich das Publikum im Lustspielhaus zu stehenden Ovationen. Alle wollten mehr. Dann spielte das bunte Ensemble noch mal: Was für eine Nacht.