Wunderbarer Wecker

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

25.11.2003

Quelle

Neue Westfälische

Autor / Interwiever

Ursula Meyer

500 Fans in der Eggelandhalle / In Sachen Liebeslyrik nicht zu toppen / Jedes Lied ein Unikat

Von Ursula Meyer

Altenbeken. Ostwestfalen ist Weckerland. Der bayrische Barde hat reichlich Fans im katholischen Kernland, denn nach starken Antikriegsveranstaltungen mit Eugen Drewermann in Paderborn und der WDR-Liedernacht in Corvey gabe es am Freitag wieder jede Menge Wecker in der Altenbekener Eggelandhalle.

Satte 500 Fans hörten zu. Ließen sich mitnehmen in die Zeit als alles anfing, als Konstantin Wecker vor gut 35 Jahren seine ersten Lieder schrieb: Sadopoesie mit geringem kommerziellen Erfolg. Ein bisschen wie die Geschichten vom roten Großvater. Wenn Wecker im locker den erstarkten Lendenbereich kaschierendem Flanellhemd von früher erzählt, wird es plötzlich gemütlich in der zugigen Eggelandhalle. Und die Lieder! Seinen Eigenanteil daran schätzt er nicht besonders hoch. Die besten wurden ihm geschenkt, sagt er. An so was kann man nicht arbeiten, die kommen von selbst.
Wie "Genug ist nie genug". Vielleicht ist Konstantin Wecker wirklich ein Medium, in das irgendeine noch unbekannte Instanz wunderbare Texte eingibt. Wecker bietet sich an, weil er quasi immer online ist, immer auf Sendung, immer auf Empfang und immer ganz da. Scheinbar egal in welchem Zustand, denn sein Output ist selbst in betäubten Zeiten ungeheuer.
Mit traumwandlerischer Sicherheit für poetische und musikalische Wahrheiten trifft er immer den richtigen Ton. Da wirkt nichts weinerlich, nichts aufgesetzt, nichts abgedroschen, auch beim hundertsten Hören nicht. Denn Wecker spielt kein Lied zweimal, seine Interpretationen wechseln je nach Tagesform, und immer fällt ihm noch ein kleiner Gedanke ein, eine witzige Nebenstimme, eine neue Rhythmisierung, die er umgehend dem wunderbaren Bösendorfer anvertraut.
Nach der Pause gab es dann einen kleinen Zeitsprung in der "Best of Wecker" Abfolge, gleich ins Hier und Jetzt. Irgendwie sei er als junger Mann von 40 (gedanklich 18) eingeschlafen und als alter Mann von 50 wieder aufgewacht.
Mit dem Gefühl "I werd oid" und wunderbar ironietriefenden Liedern über Altwerden und Einsamkeit und ungebrochener sängerischer Kampfeslust, zu hören in "Amerika", "Sag nein", "Wenn die Börsianer tanzen" und einem witzigen "Waffenschiebertango", der von Georg Kreisler hätte sein können. In Sachen Lyrik ist Frauenversteher Wecker sowieso nicht zu toppen, ein "Liebesdank" gegen Ende "so atmest Du in jedem meiner Lieder. So lieb ich dich", das größte aller Liebeslieder "Bleib nicht liegen" und ein "nessun-dorma" für seinen Vater, was auch ein klares Liebeslied ist.
Und immer dieses Gefühl "Der meint Dich", wenn er in direkter Ansprache seine Hymnen auf die Liebe und auf die Frauen singt. Nur dieser aufdringlich blinkende Ehering (rechts!) stört ein wenig das Idyll. Aber zum nächsten Weckerkonzert kommen wir wieder, das ist sicher.