Konstantin Wecker solo in Erfurt

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

28.11.2003

Quelle

Thüringer Allgemeine

Autor / Interwiever

Anna Ron

Die sadopoetische Phase des Konstantin Amadeus Wecker ist vorbei.Aber sie klingen gut, die alten Lieder, geschrieben von einem jungen Kerl voller Saft und Kraft über alte Männer, Irre und auffallend oft über kurze Röcke, helle Mädchenschenkel und das Leben am Strand. Er singt sie im Erfurter Kaisersaal und offenbart Altherrensehnsüchte. Da hat er noch nicht bekannt: I wer oalt. In Turnschuhen, Jeans und schwarzem Hemd unter dem schwarzen Jackett steht er auf der Bühne, die Lesebrille umgehängt, das Haar zunehmend weiß. Doch der erste Eindruck täuscht. Es glimmt, lodert, rumort in ihm. Er kann überall aus seinen gesammelten Werken singen. Er wird Publikum haben, er wird ehrlich sein und er wird jedes Lied singen, als wäre es das erste Mal. So hat er es immer getan. Er bietet einen biografischen Plattenquerschnitt und Bekenntnisse: Lieder werden einem geschenkt, wenn man Glück hat, fallen sie einem ein. Seine persönliche Zeitrechnung unterteilt sich in vor und nach dem juristischen Zwischenfall. Kein Wort zum Irak, zu seiner Reise. Mit Wecker gibt es keinen Agitpropabend. Der Poet mischt sich ein, weil er Lieder hat.Er ist in den lauten Liedern noch kräftiger, in den leisen Liedern zarter als jemals zuvor und unheimlich gut am Klavier.