Dialog zwischen alten Bekannten

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

01.12.2003

Quelle

Ost-Thüringer Zeitung

Autor / Interwiever

Dieter Urbahn

Ausverkauftes Jenaer Volkshaus beim Konzert von Konstantin Wecker

Von OTZ-Redakteur Dieter Urbahn

Konstantin Wecker betrat die Bühne des bis zum letzten Stuhl ausverkauften Volkshauses und das Publikum applaudierte, bevor der Liedermacher auch nur eine Taste des Flügels anschlug. Das Konzert am Donnerstagabend war ein Dialog zwischen alten Bekannten. Der Sänger auf der Bühne und die Menge in den Rängen. Wecker genoss es, hier zu sein, wo er schon des öfteren seine melancholisch-bitter-süßen Lieder sang. Zahm zum Teil im Klang - rebellisch zuweilen im Text. Er singt nicht weil´s die Leute wollen, sondern weil er es muss. "Einer der stärksten Triebe, die ich habe, ist es, mich ausdrücken zu wollen und mich ausdrücken zu müssen" sagte Wecker.

Bereits mit sechs Jahren war der Liedermacher musikalisch aktiv. Er spielte auf dem Klavier, griff später zur Geige und zupfte die Saiten der Gitarre. Weitere sechs Jahre darauf wird ihm das Leben zu Hause zu eng, er haut ab und träumt von einem Leben als "freier Dichter". Während er fleißig für sein Philosophie- und Psychologiestudium büffelte, gründet er eine Rock-Soul-Band, komponiert eigene Lieder. Mit "Genug ist nicht genug" gelingt ihm der Durchbruch. 1992 erscheint sein Roman "Uferlos", in dem er sich öffentlich zu seiner Kokainsucht bekennt. Prompt wird er wegen Kokainbesitzes verhaftet. Das Urteil: Bewährungsstrafe und Geldstraße. Wecker meint, dass die Verhaftung sein Leben gerettet habe.

Seine Ehrlichkeit und Offenheit in Worten und in Liedern begeisterte das Publikum. Sympathie, die auch den politisch engagierten Liedermacher an diesem Abend zu beflügeln schien.