Konstantin Wecker: Dankbarkeit prägt sein neues Leben

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

09.12.2003

Quelle

Aachener Zeitung

Autor / Interwiever

Sabine Rother

Aachen. Die schweren Jahre seiner Krise, der Zusammenbruch, die Haft - all das hat ihn verändert: Liedermacher Konstantin Wecker (56), der am Samstag, 13. Dezember, 20 Uhr, mit seinem Soloprogramm im Aachener Audimax gastiert, spricht mit großer Offenheit von dieser Zeit.


"Es konnte mir nichts Besseres passieren, als eine Weile eingesperrt zu sein. Ich musste mich mit mir beschäftigen und habe es intensiv getan, wie im Kloster." Erst hier habe er bemerkt, "was die Gesellschaft aus einem machen kann, wenn man es zulässt."

Korrekt sei es zugegangen im Gefängnis. "Ich habe nur eine Kritik: Für Drogenabhängige gibt es keine psychologisch-medizinische Versorgung, das ist schlimm."

Eine neue Dankbarkeit bestimmt sein Leben - nicht zuletzt das Glück, in Vorträgen vor Psychotherapeuten als "Insider" von der Sucht berichten zu können. "Die meisten Drogenabhängigen, die clean werden, können das nicht mehr, weil ihr Gehirn gelitten hat."

Das Thema Irak, der Krieg, die Not der Menschen dort, hat ihn, den unermüdlichen Friedensaktivisten, mehr als berührt. Er schloss sich einer Reise der Tübinger Gesellschaft "Kultur des Friedens" an, die im Januar ins Land fuhr - für ihn, der schon viele Reise unternommen hat, die erste Fahrt dieser Art.

"Die Gastfreundschaft dieser Menschen, die so wenig besitzen, hat mich tief berührt. Was mir bisher im Kopf klar war, habe ich plötzlich gespürt. Man kann sagen, die Ratio ist ins Herz vorgedrungen. Ich habe begriffen wie friedensverwöhnt wir sind."

Noch einen weiteren Effekt hatte die Reise: "Es war so schön, dass man beim Essen oder abends zusammensaß, und sich ungestört von klingelnden Handy unterhalten konnte, weil es dort keinen Empfang gab." Seitdem lebt er nahezu "Handy-frei", nur Manager und Familie haben die Nummer eines Mobiltelefons, das er auf Reisen mitnimmt.

Nicht nur die Menschlichkeit, auch die Musik des Landes hat in Wecker etwas bewegt. "Eine völlig neue Erfahrung: Ich habe spontan ein Faible für die arabische Musik entwickelt, und ich habe festgestellt, dass ich sie spontan verstehe."

Ergebnis dieser Erkenntnis wird eine weitere "Farbe" in Weckers eigenem Schaffen sein: Im Februar gibt er in München zusammen mit einem dort lebenden Irakischen Künstler ein Konzert, der sowohl Oud (arabische Kurzhalslaute) als auch Klavier spielt. "Er war Professor im Irak und zu seinem Fach gehörte dort die europäische Musik."

Den Begriff "Toleranz" ersetzt Wecker jetzt gern durch ein anders Wort: "Nach der harten Schule, die ich durchmachen musste, spreche ich lieber von Mitgefühl."

Und nach der Haftentlassung realisierte er diese Wandlung: "Ich habe mich für eine Sterbeklinik engagiert, davor hätte ich mich früher sicher gedrückt."

In seinen Programm verarbeitet Wecker, was ihn bewegt. "Die Auftritte sind meine Kraftquelle. Wenn ich länger daheim bin, werde ich so nörgelig, dass mich meine Frau förmlich auf die Bühne schickt."

In Aachen wird er sein Publikum zu einer Zeitreise durch "30 Jahre Wecker" mitnehmen. "Ein Leben, sortiert nach Schallplatten. Und ich erzähle zwischen den Liedern von den Höhepunkten und von den Flops meines Lebens, ein sehr persönliches Programm, das sich jeden Abend ein wenig verändert."

Danach geht es wieder heim zur Familie. Weckers Söhne sind vier und sechs Jahre alt. "Seit wir sie haben, bin ich höchstens acht Tage an einem Stück unterwegs. Ich möchte nicht, dass wir uns fremd werden."

Die Weihnachtszeit genießt er mit den Kindern ganz neu. "Ich möchte, dass die Verzauberung so lange wie möglich anhält." Und natürlich wird im Hause Wecker gesungen. "Wir sitzen dauernd am Klavier, nicht nur in der Weihnachtszeit, denn Singen ist für Kinder ganz wichtig."

Soloprogramm Konstantin Wecker, Audimax Aachen, Wüllnerstraße, Samstag, 13. Dezember, 20 Uhr. Karten gibt es in allen Zweigstellen der Aachener Zeitung.