Eine leise, berührende Hommage an die Väter

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

05.08.2003

Quelle

Cuxhavener Nachrichten

Es muss nicht immer rocken: Poesie und Leichtigkeit beim Bergs "Pinocchio"


av. - Glücklich, wer solch einen Papa hat. Er verkauft seinen letzten Mantel für das neue Gewand des Kindes und die Lesefibel. Auf seinem Weg zum "Erwachsenwerden" strauchelt der Sohn viele Male, kommt auf die schiefe Bahn. Doch der Vater brüllt nicht und zetert oder verbannt das Kind aus seinem Leben. Er wartet geduldig, bis sein unbändiger Sohn den Weg zu ihm zurück findet.

Die "Pinocchio"-Inszenierung von Kindermusical-Regisseur Christian Berg ist eine leise Hommage an die Väter. An das Verhältnis zu ihren Kindern, insbesondere ihren Söhnen. Wenn letztere auch gern in jedes vorhandene Fettnäpfchen springen, den falschen Freunden glauben und viel Kummer machen, so sehnen sie sich doch nach der Liebe und Anerkennung ihrer Väter. Auch wenn die Einsicht manchmal spät kommt.

Die Premiere von "Pinocchio" am vergangenen Freitag in den vollen Hapag-Hallen war bei den kleinen wie den großen Gästen ein voller Erfolg. Bergs Konzept, die Umsetzung des Carlo-Collodi- Erziehungsklassikers als Commedia dell92arte des italienischen Wandertheaters ging auf. Spielerische Leichtigkeit mit Tiefgang und Humor zeichnen die Bearbeitung des eigentlich strengen Stoffes aus. Die fröhlichen und eingängigen Kompositionen von Konstantin Wecker verbreiten heitere Sommergefühle.

Das Bühnenbild von Gertie Trautvetter und Ulrich Wolff liefert die passende Wunschumgebung gleich mit. Mit einfachen Mitteln, einer Steckbühne und leicht austauschbaren Szenenhintergründen, tragen sie der gestalterischen Forderung Bergs, gemäß der Commedia ein Theater im Theater zu erschaffen, Rechnung. Die handbemalten Wände führen trotz Zweidimensionalität überzeugend in die armselige Werkstatt Gepettos und die zwielichtige Welt von Puppenspieler und Kinderland. Die dazu passenden und farbenfrohen Kostüme hat Tanja Schünemann entworfen.

Ohne die stimmlich überzeugenden Sänger und Sängerinnen wäre das Bilderbuchitalien allerdings recht tot geblieben. Miriam Dusza ist ebenso eine bezaubernde Fee wie spöttische und belehrende Grille.

Doch auch in diesem Stück ist es wie sonst auch: Die Bösen sind einfach spannender. Die "falschen Freunde" Fuchs und Kater, gespielt von Kathrin Wölfle und Miriam Lotz sind so gemein, verlogen und gleichzeitig trottelig wie man es sich wünscht. Dem Vater-Sohn-Paar Ralph Aschhoff (Gepetto) und Christian Berg (Pinocchio) merkt man die Vertrautheit ihres langen Zusammenspiels an.