Wundersame Reise mit Musik und Geist

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

05.08.2003

Quelle

Cuxhavener Nachrichten

Konstantin Wecker beim überzeugenden Solo-Konzert unterwegs zu den Wurzeln und zurück


ters. - Läge mehr Zeit zwischen Konstantin Weckers jüngstem Auftritt und seinem letzten Gastspiel in den Hapag-Hallen, man wäre versucht, angesichts des hinreißenden Konzertes am Sonnabend von "Altersmilde" zu sprechen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wecker solo war kein bisschen milde, nicht weniger scharf und pointiert in seinem Urteil, hat an Kritik nichts zurückgenommen - und kam doch völlig anders rüber als seinerzeit bei "Vaterland".

Es scheint, als erlaube der Solo-Auftritt Wecker andere Freiheiten, die er vor allem pianistisch zu nutzen wusste. Als Beispiel mag die "Overtüre" zu einem frühen Liebeslied dienen, in die Wecker Motive der "Wundersamen Reise" aus "Jim Knopf" einflocht - eine wunderschöne Variante.

Natürlich war Wecker auch am Sonnabend deutlich in seiner Kritik an gesellschaftlichen Zuständen, an politischen und wirtschaftlichen Strukturen, am Zeitgeist und seinen Verwirrungen und last but not least an der amerikanischen Politik unter George W. Bush, zumal seit dem 11. September und rund um den Irak-Krieg.

Aber selbst seine scharfen Formulierungen wirkten weniger aggressiv, ohne sich inhaltlich um ein Iota verändert zu haben. Wecker ist auch nicht gelassener, im Gegenteil: ihn treibt große Leidenschaft, bisweilen Passion. Aber er bietet seine streitbaren Erkenntnisse eher als Stoff zum Nachdenken an als sie dem Publikum einhämmern zu wollen, wie es seinerzeit den Anschein hatte. Vielleicht hat es damit zu tun, dass der Liedermacher nun - nachdem er nach eigenem Bekunden sein "Lebenswerk" abgeschlossen hat, an seinem "Überlebenswerk" arbeitet und bereit ist zuzugestehen, dass "Mitlaufen ohne Denken nicht gut sein kann - auch nicht für eine gute Sache".

Eine große Rolle spielte an diesem schönen Sommerabend sicher auch, dass Wecker nach "Pinocchio"-Premiere und ausgesprochen positiver Resonanz auf seine neuen Lieder locker und glänzend aufgelegt war, vielleicht auch, dass ihn der stimmungsvolle Italien-Hintergrund inspirierte, als er in einer Art Rückblick auf fast 30 Jahre seiner Arbeit Songs und Geschichten präsentierte, die teils schon viele Jahre auf dem Buckel, aber keinen Staub angesetzt hatten.

Bis zurück zu seiner ersten Platte, den "sadopoetischen Liedern des Konstantin Amadeus Wecker", ging er zurück, und immer wieder gaben die Fans im leider nicht voll besetzten Saal zu erkennen, dass sie Weckers Schaffen schon über viele Jahre verfolgen. Natürlich gehörten auch einige Gedichte und satirische Geschichten in diese Selbsterkenntnis-reiche "Bilanz", ebenso wie die Fortschreibung des Klassikers "Willi", in dem Wecker auf geniale Weise all das unterzubringen pflegt, was ihn aktuell bewegt