Tolles Kaninchen

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

12.08.2003

Quelle

Frankfurter Rundschau

Autor / Interwiever

Annette Becker

Man muss Konstantin Wecker einfach zuhören beim "Karneval der Tiere" im Zoo

Von Annette Becker


Mama, wann kommen denn endlich die Tiere? Pssst, Moritz, die sind doch in der Musik. Mama, ich hab´ Durst. Mama, kannst du mir noch ein Huhn malen? Ganz schön anstrengend, wenn man noch so klein ist, der große Saal im Zoo-Palais randvoll mit mehr als vierhundert schwitzenden Kindern und ihren Eltern, Omas, Opas, Onkeln, Tanten, außerdem noch eine ganze Menge Erwachsene, die noch nicht einmal ein klitzekleines Kind dabei haben. Na ja, Karneval ist für alle da, und der Karneval der Tiere eben auch. Nur die Spiele beim Zoo-Kinderfest draußen, die sind nur für die Kleinen, ätsch. Das haben die Leute vom Rheingau Musik Festival ganz prima gemacht. Die haben ihre allsommerlichen Kinderkonzerte zum ersten Mal in Frankfurt und mit Absicht genau am Kinderfest-Wochenende veranstaltet, mit dem Konzert "Wenn der Marabu den Taktstock hebt" für die ganz Kleinen am Vormittag und einem Konzert für die Größeren am Abend.

Mama, wieso haben die Großen vorhin eigentlich alle so laut gejubelt, als der Mann da auf die Bühne gekommen ist, der mit dem papageienbunt karierten Hemd über der Jeans und den stoppelkurzen grauen Haaren? Wie Peter Lustig sieht er aus, nur die Latzhose fehlt, und seine Stimme ist auch anders, weicher, rauer, keine Ahnung, man muss ihm einfach zuhören. Und irgendwie schafft er es doch tatsächlich, dass die etwas opahafte Geschichte mit den vierundsechzig Uhus und den applaudierenden Mehlwürmern von einem Menschen namens Loriot auf einmal so richtig lebendig wird.

Irgendwas mit Uhr heißt der Mann, Wecker oder so, und der Vorname, den muss man sich mal so richtig auf der Zunge zergehen lassen, Kon-stan-tin, das klingt fast so schön wie Charles-Camille Saint-SaEBns. Das ist der französische Komponist, der die bunte Musik zum Karneval der Tiere geschrieben hat. Eine große zoologische Fantasie hat er sein Stück genannt. Und genau so hat es bei den Pianisten Ulrich Meining und Damian Zydek und dem Philharmonic Chamber Orchestra Wroclaw mit Mariusz Smolj als Dirigent auch geklungen, mit einem toll brüllenden Löwen, glitzernden Fischen, einem edlen Schwan und ganz vielen anderen Wasser-, Erd- und Luftbewohnern.

Andere Komponisten haben auch Musik über Tiere geschrieben, zum Beispiel der Italiener Ottorino Respighi und der US-Amerikaner Leroy Anderson, dessen Familie aus Schweden kam. Auch zu diesen Stücken hat der Mann im karierten Hemd kleine Geschichten mitgebracht. Doch, der konnte wirklich gut für Kinder erzählen. Vielleicht, weil er selbst zwei kleine Söhne hat. Knapp vier und sechs sind die. Er soll ja mal ziemlich schlimme Sachen genommen haben und deshalb im Gefängnis gewesen sein. Aber so sieht er überhaupt nicht aus. Supernett wirkt er und wie einer, der sich ziemlich aufregen kann, wenn er etwas gemein findet. A propos gemein, wieso darf das Mädchen da mitten im Konzert auf dem Boden herumturnen und ich nicht? Riesen-Applaus, draußen wirft einen die Mittagshitze fast um. Was Moritz, auch knapp vier, am schönsten fand? Die Vögel, Mama, und das Kaninchen.