Wieder hier: Wecker, Wader und Willi

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

23.06.2003

Quelle

Nürnberger Zeitung

Es gibt wohl nur wenige deutsche Musiker, die sich über Jahrzehnte hinweg treu geblieben sind: Die beiden Liedermacher Hannes Wader und Konstantin Wecker gehören sicherlich dazu. Seit über dreißig Jahren singen sie ihre kritischen Songs und beziehten darin auch immer dezidiert Stellung. Ein Engagement, das in der heutzutage vornehmlich apolitischen Musikszene kaum mehr zu finden ist. Und das, obwohl die momentane Nachrichtenlage genug Stoff liefert. Wader und Wecker aber schweigen nicht: Bei ihrem Auftritt (mit den beiden Nürnberger Musikern Norbert Nagel und Jo Barnikel) auf der Burg Abenberg stehen ganz deutlich die politischen Lieder im Mittelpunkt. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sagen sie in ihren Statements laut was Sache ist und was viele der rund 3000 Besucher denken und mit heftigem Applaus quittieren: "Es ist schon erstaunlich", sagt Wecker, "dass immer dann am lautesten nach Menschenrechten geschrieen wird, wenn Ölquellen im Spiel sind."

Misstöne über die US-Regierung, Unbehagen über die Kriege in Afghanistan und Irak und Entsetzen über den zunehmenden Rechtsradikalismus in Deutschland: Die Kritik-Liste der beiden Musiker ist lang. Die zwei Barden setzen dagegen ein dreistündiges Programm mit alten und neueren Anti-Kriegsliedern wie die Wader-Klassiker "Es ist an der Zeit" und "Bella Ciao" oder Weckers kollektivem Aufruf "Sage nein!". Auch der "Willy" darf nach einem Vierteljahrhundert noch ein Mal aus dem Grab steigen, und klingt - ein wenig überarbeitet - so aktuell wie nie zuvor. Freilich will vor allem Wecker nicht ganz auf seine poetischen Stücke verzichten und wählt mit "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" oder "Questa nuova" ein paar seiner schönsten aus.

Auch wenn so mancher Witz zwischen dem Norddeutschen und dem Bayern bereits bei ihrem ersten Auftritt am Bardentreffen 2000 gefallen ist: Der Opener des Konzerts, der Wader-Song "Gut wieder hier zu sein", hat erneut zugetroffen. sc