Ein Abend unter Freunden

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

05.07.2003

Quelle

Frankenpost

Autor / Interwiever

Maximilian Busl

HANNES WADER UND KONSTANTIN WECKER BEGEISTERN IN KULMBACH

KULMBACH - In die Jahre gekommen sind die zwei, doch was für einen guten Wein gilt, mag auch bei den beiden Liedermachern nicht verkehrt sein: je älter, desto besser. Und wie ein großer Wein mit den Jahren an Charakter, an Würde und Ausdruck gewinnt, so spielen und singen Hannes Wader und Konstantin Wecker mit nimmermüder Überzeugung, mit Zorn oder Spaß und mit einer klaren Botschaft: Fort mit Intoleranz und dem Streben nach absoluter Macht, fort mit Krieg und Gewalt. Denn am Ende sind es Verständnis füreinander, Leben miteinander und lernen voneinander, sind es Frieden, Gerechtigkeit und - natürlich - die Liebe, die die Welt am Laufen halten.

Es ist eine Wohltat, die beiden großen Künstler auf der Bühne in einem gemeinsamen Konzert zu erleben: den kraftvollen Wecker aus dem Süden der Republik mit einer unersättlichen Sehnsucht nach Italien; und den zurückhaltenden, gleichwohl emotionalen Wader aus dem Norden. Überflutet von intellektuellen Nichtigkeiten in Zusammenhang mit irgendwelchen Super- oder sonstigen Stars, die einem tagtäglich begegnen, freut man sich, Lieder zu hören, die einem etwas zu sagen haben. Der "Willy" beispielsweise, Weckers Alter Ego seit mehr als 25 Jahren, der sich ständig weiterentwickelt; der Willy, den sie erschlagen haben, die Neonazis, schon vor 25 Jahren. Wecker erzählt ihm, wie es ist auf dieser Welt, in der Waffenschmiede und Ölbarone unter dem Deckmantel der Freiheit Krieg, Unterdrückung, Leid und Tod vor sich her tragen. Und von den Aasgeiern, die ihnen folgen, das internationale Kapital, das am Tod und dem Wiederaufbau unter dem Vorwand der humanitären Hilfe sich dumm und dämlich verdient. Klare Aussagen von einem aufrechten Menschen, der seine Lieder, seine Texte schon immer als eine Einmischung in die Politik verstanden hat.
Der Willy, der Wecker und der Wader. Besonders der Wader. Eine Stimme, die unter der Haut verschwindet. Auch er singt gegen den Krieg. Das Lied über den toten Soldaten aus dem ersten Weltkrieg - es könnte der zweite ebenso sein wie der Krieg gegen Vietnam, Afghanistan, den Irak, die Völker im Kongo, in Ruanda oder wo auch immer. Was bleibt? Auch ihn, den jungen Soldaten, nicht einmal 19 Jahre alt, hat man damals schon genauso betrogen, so wie es heute noch immer geschieht. Denn Soldaten sind Soldaten, um zu sterben, nicht um jung zu sein.

Aber auch Versöhnliches kommt von den beiden, Erinnerungen aus den Biografien zweier Menschen, die sich nicht gebeugt haben. Die Sehnsucht nach dem Süden, nach Griechenland oder Italien; die Freude am nahenden Frühling, am Sommer; eine Hommage an die "Kleine Stadt", an Freunde und an Gefühle. Da stört es auch nicht, wenn aus den tiefgrau herbeiziehenden Wolken dicke Regentropfen auf das begeisterte Publikum niederprasseln.

Es war ein klasse Abend, den Konstantin Wecker und Hannes Wader, wunderbar unterstützt von Norbert Nagel (Blasinstrumente) und Jo Barnickel (Tasteninstrumente) ihren Gästen geschenkt haben, ein Abend, an den man gerne zurückdenken wird. Manches Lied wird einem einfallen, vielleicht kramt man die ein oder andere Platte aus dem Regal und hört noch einmal hinein, wenn Hannes oder Konstantin ihre Lieder singen. Dann tauchen vielleicht im Geiste diese beiden Liedermacher auf, zornig- politisch, gern auch sentimental- rückschauend, verschmitzt, heiter oder ernst. Und wie bei einem guten Wein, einem alten, reifen, der Geschmack im Gaumen geboren wird und lange nachdauert, wird diese Musik nachklingen und man wird sich freuen, da gewesen zu sein. Schön wars!