Starke Momente durch die leisen Zwischentöne

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

13.06.2003

Quelle

Nordwest-Zeitung

Autor / Interwiever

Ulrich Schönborn

LIEDERMACHER Konstantin Wecker und Hannes Wader starten ihre Deutschlandtournee in Oldenburg

VON ULRICH SCHÖNBORN

OLDENBURG - Wie schön. Nach all den Hits aus der Retorte von Superstar-Küblböck bis Grand-Prix-Lou gibt es wieder Musik aus Fleisch und Blut im Lande. Wader und Wecker sind unterwegs. Das ist nicht nur eine hübsche Alliteration, sondern vielmehr eine kraftvolle Symbiose zweier Musiker, die viel zu singen und einiges zu sagen haben.

Der umjubelte Auftakt der "Friedenskämpfer"-Tournee in der Oldenburger Weser-Ems-Halle zeigte, dass noch viel Leben in den Legenden steckt. Und er bewies, wie gut sich Gegensätze anziehen. Auf der einen Seite Konstantin Wecker, der barocke Bayer, der ausufernd Klavier spielt und mit seiner Stimme ein ganzes Kraftwerk ersetzen könnte. Auf der anderen Seite Hannes Wader, der nachdenkliche Wahlfriese, der bedächtig die Gitarre zupft und auch stimmlich eher das Melancholie-Fach füllt. Wecker ist der brachiale Revoluzzer. Wader ist der Schöngeist. Wütend sind beide. In alter Liedermacher-Manier schimpfen sie auf Imperialismus und Nationalismus, auf Kriege und Ungerechtigkeit. Dass die Parolen dabei manchmal ähnlich schwarzweiß ausfallen wie die Politik, die sie kritisieren, ist das Schicksal eines jeden lautstarken Protests.

Für die wirklich starken Momente des Konzerts sorgten die leiseren Zwischentöne. Mit "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist" (Wecker) und "Heute hier, morgen dort" (Wader) zauberten die Künstler eine Atmosphäre auf die Bühne, die Herz und Verstand gleichermaßen umschmeichelte. Da zeigten sie Allround-Qualitäten, die nur wenige in sich vereinen: als Lyriker, als Komponisten, als Musiker, als Sänger und - nicht zuletzt - als Entertainer. Den Rücken bekamen sie dabei von zwei Musikern gestärkt, die virtuos Akzente setzten: Norbert Nagel mit Saxophon, Klarinette und Flöte, Jo Barnikel mit Klavier und Trompete. Gestört wurde der Genuss nur von Abstimmungsschwierigkeiten in der Tontechnik, die Waders Gitarre scheppern und Nagels Saxophon plärren ließ. Auch den beiden Künstlern merkte man zuweilen an, dass sie zwar gut zusammen auf die Bühne passen, aber nicht jeden Tag gemeinsam auf ihr stehen. "Eine Premiere ist immer auch eine Generalprobe", sagte Wader. Die Oldenburger sahen großzügig über kleine Pannen hinweg.

Belohnt wurden sie mit einem Zugaben-Marathon, der das Konzert um eine knappe Stunde verlängerte. Wader und Wecker stehen auf der Bühne, weil es ihnen Spaß macht. Obwohl sich auch die alten Friedenskämpfer den Gesetzen des Musikmarkts nicht entziehen können, sind sie sich doch all die Jahre lang treu geblieben.