Brüder in der Sonne zur Freiheit

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

16.06.2003

Quelle

Hamburger Morgenpost

Autor / Interwiever

Mirko Rott

3000 Fans feierten Konstantin Wecker und Hannes Wader beim gemeinsamen Konzert im Stadtpark

Die längst abgeschriebene Gruppe der Liedermacher erlebt ihr Comeback - eine Folge des Irak-Krieges: Das Konzert von Konstantin Wecker und Hannes Wader in der Stadtpark-Arena bejubelten rund 3000 Fans im Alter von 16 bis 76. Es wurde zur emotionsgeladenen musikalischen Kundgebung für den Frieden und gegen Fremdenhass.

An sich sollte ihre gemeinsame Tournee vor anderthalb Jahren zwar einmalig bleiben - aber sie seien halt doch Wiederholungstäter, begrüßte Wecker das Publikum. Dann sangen sie die alten Protest-Schmankerln aus längst vergangenen Tagen - nicht zeitlos, nein, brandaktuell.

Ergraut zwar, aber immer noch rebellisch und in Sakko, Jeans und Turnschuhen, hat Wecker sein bekanntestes Lied, das Gespräch mit dem von Nazis erschlagenen "Willi", weitergeführt: der 11. September, Afghanistan und jener Tag in Berlin, als Hunderttausende gegen den Irak-Krieg demonstrierten - Weckers alte Kampfeslust ist ungebrochen. Energiegeladen tobte der Bayer zwischen Flügel und dem Publikum hin und her.

Ganz anders, ganz zurückhaltend Wader, der Grandseigneur unter den roten Poeten: Er benötigte für seine Botschaften nur den sonoren, fast väterlichen Klang seiner Stimme. Mit schelmischer Weisheit und kindlichem Vergnügen servierte er seinen trockenen, aber würzigen Humor. In alter Tradition studierte er mit dem Publikum die Refrains ein: "Alle, die unsere pazifistische Überzeugung nicht teilen, müssen nur mitsummen - die anderen müssen mit mir jetzt den Text lernen." Alle sangen mit, natürlich: Diesem Charme war nicht zu entkommen.

Dass die beiden noch lange zusammen auftreten werden, garantiert zumindest der Ältere. Wader will noch 30 Jahre weitermachen: "Dann bin ich 90 - und hab danach immer noch genug Zeit, mir die Hörner abzustoßen."