Die Nacht der Liedermacher

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

18.06.2003

Quelle

Aachener Nachrichten

Hannes Wader und Konstantin Wecker gefeiert

Jülich (an-o/ron) - "Was für eine Nacht!" Das ist nicht nur ein Zitat aus einem Lied oder ein abgedroschene Phrase, sondern schlicht die einzige Bemerkung, die den Abend mit Konstantin Wecker und Hannes Wader am Montag im Brückenkopf-Park halbwegs treffend umreißt.

Ohne zahlreiche Zugaben wollten die rund 1300 Besucher die Liedermacher deswegen auch nicht von der Bühne lassen.

Es war das einzige Konzert ihrer Sommertournee in Nordrhein-Westfalen, das die beiden legendären Liedermacher in Jülich bestritten, und es dauerte mehr als drei Stunden. Genug Zeit, der Botschaft der beiden Gehör zu verschaffen: Den Kampf gegen Dummheit, gegen Unterdrückung, gegen Krieg und nicht zuletzt gegen die kleinen und großen Unsinnigkeiten des Alltags haben sich die beiden "Verrückten", wie Wecker und Wader sich betitelten, auf die wehenden Fahnen geschrieben.

Dass diese Fahnen auch nach so vielen Jahren noch kräftig in einem Wind aus Wahnsinn und Intoleranz flattern, dürfte jedem klar geworden sein, der das Konzert hörte. Doch sei ja jeder eingeladen, diese Fahne mit zu tragen.
Inhaltliche Botschaft braucht nicht immer modernes Gewand - aber sie muss doch ausgesprochen werden. Das machten die beiden, die von Jo Barnikel (Piano, Keyboard) und Norbert Nagel (Saxophon, Klarinette, Flöte) musikalisch unterstützt wurden, in klaren Worten deutlich. Die Zeit der Liedermacher sei doch vorbei, mag mancher unken, aber dass die Aussage der Lieder von Konstantin Wecker wie Hannes Wader nicht an Wirkung (und Aktualität) verloren hat, brachten die stehenden Ovationen des bunt gemischten Publikums und der an vielen Stellen des Programms einsetzende Szenenapplaus unmissverständlich zum Ausdruck.

An diesem Abend sangen die Freunde Wecker und Wader jedoch nicht nur die jeweils eigenen Lieder, sondern unterstützten sich auch gegenseitig. Vom gemeinsamen "Gut, wieder hier zu sein" bis zum donnernden - ebenfalls gemeinsam gesungenen - "Sage nein!" spannten die beiden dabei ihren Programmbogen, dem es bei aller Ernsthaftigkeit auch nie an Humor fehlte. Denn nicht die moralische Predigt an sich ist die Stärke sowohl von Konstantin Wecker als auch von Hannes Wader, sondern die Kombination aus beklemmender Wahrheit und scharfsinniger Beobachtung mit ironischer, manchmal zynischer Spitzzüngigkeit.

Das Weckersche "Ich singe, weil ich ein Lied hab (nicht, weil es Euch gefällt)" wurde so zu einer programmatischen Überschrift für die Nacht. Die beiden hatten und haben damals wie heute vieles zu sagen - und das kommt aus vereinten Kehlen noch einmal so deutlich heraus. "Was für eine Nacht!"