Zorn und Poesie

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

21.06.2003

Quelle

Augsburger Allgemeine

Autor / Interwiever

Roland Mayer

Konstantin Wecker und Hannes Wader auf der Zelt-Bühne

Von unserem Redaktionsmitglied Roland Mayer

Ulm

"Was für eine Nacht": Das Motto des gemeinsamen Konzertes der beiden Ur-Liedermacher Konstantin Wecker und Hannes Wader passte wie das Frühlingsglühn zur abendlichen Sommerwiese des Ulmer Zelts.

Im Juli 1998 haben sich die Wege des Südsterns Wecker und des Nordlichts Hannes Wader bei einer Fernsehsendung des SWR künstlerisch zum ersten Mal gekreuzt. Da ist was draus geworden, weil sie trotz unterschiedlicher Mentalitäten hervorragend harmonieren. So zeigen sich die beiden Sängerbarden im übervollen Ulmer Zelt gleich zu Beginn Seite an Seite - Wecker im heraushängenden Flanellhemd und Wader im eher unflippigen Look des Grandseigneurs der Liedermacher. Beide Stimmen sind immer noch so licht wie die Stimmung im Viermaster, Wecker skandiert im Auftaktset, das Klischee entpuppt sich als stimmig: Die Kombination zwischen dem kühlen Norden und dem Temperament des Südens ist einer der Spannungsbögen in einem Konzert, das im ersten Teil die pazifistischen Traditionen der Friedensbewegung aktiviert und nach der Pause mit wunderschönen Love-Songs beglückt.

Hannes Waders Melancholie des in die Jahre gekommenen Liedermachers greift da mit funkelnder Schlichtheit immer noch am Stärksten, wenn er seine Reminiszenzen mit der akustischen Gitarre kredenzt. Konstantin Wecker explodiert, wenn er sich an der Seite der vorzüglichen Begleitmusiker (Saxer und Flötist Norbert Nagel und Keyboarder Jo Barnickel) pazifistischen Zorn (Willie) und poetische Versunkenheit von der Seele singt: Ein Konzert zwischen Balladen und Weckrufen.