Liedermacher zwischen Lust und Leid

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

14.04.2003

Quelle

hna

WOLFHAGEN. Der Mann am schwarzen Piano hat eine Droge, die Leben heißt. Sie lässt ihn mal wuchtig laut, mal ganz leise besinnlich und mit geschlossenen Augen über die Leidenschaft der Liebe singen, und über den Krieg im Irak, der so viele Leiden schafft.

Konstantin Wecker gelingt es, alle Sinne seines Publikums in der vollbesetzten Wolfhager Kulturhalle zu aktivieren: "Wenn der Sommer nicht mehr weit ist", bringt den Frühling auf die Bühne, es geht um Sonne, Wärme, duftendes Gras und um körperliche Liebe. Der Brustkorb des Interpreten droht zu platzen, seine Pedaltritte am Piano nehmen den Herzschlag auf, der deutlich zu hören ist, weil das Publikum in Andacht taucht. Mit kräftigem Applaus baut es zwischen den Liedern diese Spannung ab. Wecker baut sie wieder auf.

Mit jedem Lied. Egal, ob es darin um Porsche-fahrende 68er geht, dem Altern an sich ("Ich werd oid"), oder ob es um den Weltfrieden geht, der auch auf einer Regenbogen-Fahne geschrieben an Weckers Piano hängt: "Pace". Zum Beispiel mit "Willi", der sich einen Monolog über den Irak-Krieg anhören muss, so als wäre es die Anklageschrift gegen George W. Bush vor dem Internationalen Gerichtshof .

Die Texte von Konstantin Wecker polarisieren nicht, weil hier alle auf seiner Seite des alten Europas stehen. Ihn trägt die Gewissheit, moralisch im Recht zu sein.

Wecker ist kein zweifelnder Poet, er ist ein fordernder Wortschöpfer, der seine Zuhörer ermutigt "Nein" zu sagen: "Wenn für unser Wohlbefinden Hunderttausende verrecken, dann ist´s Zeit zu widerstehen gegen alle Schweinereien - sage Nein!"

Seine Wut über den Krieg findet ihre Adressaten im Weißen Haus, an der Wall-Street und in den Waffenschmieden der Welt, wie bei seinem "Waffenhändler-Tango", aus dem schließlich ein Boogie wird, wenn Wecker singt, "beim Krieg geht es immer nur ums Geldverdienen."

Wecker pendelt zwischen Politik und persönlicher Nabelschau eines alternden Beaus.

Das ist sein Leben zwischen Lust und Leid.