Im Namen des Wahnsinns

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

15.05.2003

Quelle

Bremervörder Anzeiger

Konstantin Wecker mit Biss und Humor

Bremervörde (dr). Ein besonderes Highlight im Rahmen des diesjährigen Kulturprogramms der Stadt Bremervörde wurde in der vergangenen Woche geboten. Mit dem Lied "Im Namen des Wahnsinns" eröffnete Konstantin Wecker sein Solokonzert "Improvisationen" im ausverkauften Ratssaal.

Viele Besucher hatten sich schon lange auf diesen Abend gefreut und wurden gewiss nicht enttäuscht, denn Konstantin Wecker bereitete dem Publikum als Pianist, Sänger und Dichter einen wunderbaren und eindrucksvollen Abend

"Mit 50 habe ich mein Lebenswerk abgeschlossen. Jetzt beginnt mein Überlebenswerk", so Konstantin Weckerin einer Presseerklärung. Wer diesen Ausspruch als melancholisch oder gar resignierend interpretiert, wird beim Liveauftritt des Künstlers eines Besseren belehrt.

Konstantin Wecker hat nichts von seinem Biss, seinem stirischen Humor und vor allem seinem Engagement gegen Gewalt und Ungerechtigkeit in der Welt verloren. Das Solokonzert "Improvisationen" spannte einen Bogen von Konstantin Weckers erstem Auftritt unter dem legendären Sammy Drechsel bei der Münchener Lach- und Schießgesellschaft über seine erste LP "Die sadopoetischen Gesänge des Konstantin Amadeus Wecker" bis zu seiner jüngsten CD "Vaterland", die am Vorabend des 11. September erschienen ist.

An diesem Punkt manifestierte sich sein Hauptanliegen, deutlich zu machen, dass Terror und Krieg niemals eine Lösung für die Probleme in der Welt bieten.

Besonders an die Adresse der US-Regierung richtete Wecker harsche Kritik und sprach damit dem Großteil des Publikums aus der Seele, denn "was mit Gewalt errichtet wird, kann nur mit Gewalt erhalten werden", erklärte Konstantin Wecker und weiter: "Bush ist seinen intelligenten Bomben sehr ähnlich, beide sind nicht intelligent genug, um über sich selbst nachzudenken".

Unter Beifall des Publikums rief der Künstler gegen die Gewalt und gegen den Krieg auf und forderte, sich für den Frieden einzusetzen.

Es sei auffällig, dass dort wo Öl zu finden ist, am lautesten nach Menschenrechten geschrien werde. Kriege seien zunächst immer mit hehren Zielen
begründet worden, erst im Nachhinein würde das Unrecht erkannt.

Nicht nur die Weltpolitik war Thema des Abends. Einen Blues leitete Wecker mit den Worten ein: "Wenn man so viele Jahre unter Stoiber verbringt, da kriegt man den Blues".

Auch eine gehörige Portion Selbstironie brachte der Mittfünfziger mit ins Spiel, indem er etwa von der "pubertären Thematik" einiger seiner früheren Lieder sprach oder vom spärlichen Haarwuchs und den Prostata-Problemen älterer Männer sang. Immer wieder hatte der Künstler die Lacher auf seiner Seite.

Nach mehreren Zugaben und Blumen für den Künstler, überreicht von der Fachbereichsleiterin für Kultur, Kerstin Maack, verließen die Besucher das Konzert in der Gewissheit einen virtuosen Musiker und ehrlichen Poeten gesehen zu haben, für den das Motto der "Weißen Rose" gilt: "Ihr habt geschrien, wo andere schwiegen", wie die Süddeutsche Zeitung einmal schrieb.