Direkt unter die Haut

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

19.05.2003

Quelle

Westfalenpost

Autor / Interwiever

Martin Huckebrink

Solo am Flügel: Konstantin Wecker gibt umjubeltes Konzert in der Soester Stadthalle

Viel zu lange, sagt Konstantin Wecker, viel zu lange habe er sich zu intensiv mit Politik beschäftigt. Dabei kann man nur verzweifeln, zynisch und hart werden. Doch die eigenen Lieder sind ein Schutz vor den Verwüstungen der Seele. Die Lieder von damals, die 25 Jahre alten, die vom Leben im Süden erzählen, von Liebe, Melancholie, Lust und Wärme, von Träumen und vom Aufbegehren - "Du, ich lebe immer am Strand unter dem Blütenfall des Meeres."

Wecker spielt viele von den alten Liedern, manche nur im Schnelldurchlauf, andere ganz - kraftvoll, mit vollem Körpereinsatz und mit ganzem Herzen.

"Was passierte in den Jahren?" - Sein Leben und seine Texte hätten sich nicht immer synchronisieren lassen, sinniert Wecker selbstkritisch. Doch jetzt ist er 55, hat Drogen-Exzesse hinter sich, war ziemlich weit unten, jetzt ist er Familienvater, schreibt Musicals für Kinder, sieht manches distanzierter. Nur wer sich selbst verändert, kann die Welt verändern, sagt Wecker.

Aber wo es wirklich darauf ankommt, ist der Bayer ungebrochen: Mit Freund Willy redet er über die Weltlage - immer den aktuellen Ereignissen angepasst. Da ist er, der Wecker, der politisch Klartext spricht, begleitet von harten Tastenanschlägen. Das geht unter die Haut und aus dem Saal kommt immer wieder spontaner Beifall.

Gut 500 saßen am Sonntagabend in der Stadthalle. Veranstalter des Abends war das Bürgerzentrum. Wecker war der letzte Gratulant zum Zehnjährigen des Alten Schlachthofes. Autokennzeichen auch von weiter her auf dem Parkplatz. Im Saal die Generation 40 plus deutlich in der Mehrzahl.

Wecker-Konzerte sind eine Wiederbegegnung mit den eigenen Geschichten, den eigenen Träumen, der eigenen Wut und den eigenen Zweifeln. Wecker-Konzerte sind Aufbauarbeit an der eigenen Seele. - Ein Mann, ein Flügel. Wecker Solo. Ungeheure Kraft, auch wenn er auf die Brille nicht mehr verzichten kann. Der Mann gibt alles. Ein halbes Dutzend Zugaben. Stehende Ovationen. Und einmal kurz, als er sich vor seinem Publikum verbeugt, reckt Wecker trotzig die Faust. - "Wenn, dann aufrecht untergehn", endet die 2003-Version von "Sage Nein!"