Gott schütze diese Welt

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

11.03.2003

Quelle

Landshuter Zeitung

Konstantin Wecker warb im "Kaiserhof" für eine globale Friedensbewegung

Die Botschaft, die Konstantin Wecker gestern mit in den "Kaiserhof" gebracht hat, ist eindeutig: "Ein Krieg gegen den Irak schafft weder Frieden noch Demokratie." Ein Krieg sorge stattdessen dafür, dass es den ohnehin unter dem Embargo der Uno (Vereinte Nationen) leidenden Irakern noch schlechter gehe, sagte der Liedermacher und bekennende Pazifist Wecker.

Wecker, der auf Einladung der Friedensinitiative und Pax Christi nach Landshut gekommen war, kritisierte heftig die "Propaganda der Kriegsbewegung". Sie werde von so genannten Fachleuten getragen, die den Menschen weltweit Krieg als Frieden und finanziellen Gewinn als Glück verkaufen würden. Zu ihrer Rhetorik gehöre es, Menschenrechte stets dort besonders laut zu betonen, "wo eine Ölquelle in der Nähe ist".
An der "katastrophalen Weltlage" trage der Westen eine große Mitschuld. Er habe furchtbaren Hunger in der Dritten Welt mit verursacht. Wecker: "Wir leben in perversem Wohlstand und verteidigen den mit Waffengewalt."
Der Liedermacher sagte, er fühle sich von einflussreichen Waffenherstellern bedroht, die noch schrecklichere, noch grauenvollere Waffen entwickelten. Sogar Verhaltensforscher würden eingesetzt, um aus Menschen Maschinen und Mörder zu machen.

Anfang des Jahres war der Liedermacher im Irak, um sich ein Bild im Land direkt zu machen. Die Auswirkungen des Uno-Embargos habe er vor allem in einem bislang als vorbildlich in der arabischen Welt geltenden Kinderkrankenhaus erlebt. Menschen müssten sterben, weil sie nicht mit Medikamenten versorgt würden, die auf der Embargo-Liste stehen.
Das irakische Volk leide unter einer dreifachen Last: Saddam Hussein, Embargo und Mafia. Die Mafia existiere, weil sie lebensnotwendige Dinge ins Land schmuggle, die unter das Uno-Embargo fallen.
Wecker forderte, das Embargo aufzuheben und die irakische Opposition friedlich zu stärken. Er sei es leid, als Beispiel für politische Veränderungen in einer Diktatur stets nur den Zweiten Weltkrieg vorgesetzt zu bekommen. Als Beispiel für friedlichen Wechsel nannte er die deutsche Wiedervereinigung und die Entwicklung in Portugal, Spanien oder Südafrika. Er habe große Achtung vor jemandem, der im Exil leben müsse, sagte Wecker zum Thema irakische Flüchtlinge: "Aber einen Krieg rechtfertigt das nicht." Es sei wichtig, den Kontakt mit Irak nicht abzubrechen, sondern den kulturellen Austausch zu intensivieren und den Gedanken des Humanismus friedlich zu verbreiten. Es sei aber allein Sache der Iraker, ihren Diktator abzusetzen.
Wecker betonte, dass die Kriegsbefürworter in den Regierungen im Gegensatz zu ihren Bevölkerungen stünden. Dagegen friedlich zu demonstrieren, sei gelebte Demokratie und habe nichts mit "Gutmenschentum" zu tun.
George W. Bush und Saddam Hussein stellte Wecker auf eine Stufe: "Beide sind Fundamentalisten." Wecker über Bush: "Es wäre schön, wenn er am Ende seiner Reden sagen würde Gott schütze die Welt, statt Gott schütze Amerika."
Als Künstler und Poet könne er die Herzen der Menschen erreichen, sagte Konstantin Wecker. Und: "Kunst hat etwas mit Bekennen zu tun." Seit zwei Jahren weise er auf die Situation im Irak hin. Anders sei dies auch nicht beim Krieg im ehemaligen Jugoslawien gewesen. Den hatte er kritisiert und sich dafür Ärger mit dem Publikum eingehandelt. In Afghanistan habe es schon anders ausgesehen.
Mittlerweile sei die Friedensbewegung wieder erstarkt. Jetzt gehe es darum, sie global zu vernetzen.

-rüd-