Auch Wecker wird alt

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

12.03.2003

Quelle

Frankfurter Neue Presse

Der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker packte seinen Protest gegen Kriegstreiberei in der Frankfurter Union-Halle in Poesie und Lieder.

Wecker hat seine Zuhörer vom ersten Ton an im Griff. "I werd" oid", singt er kokettierend, und sein Publikum werde es mit ihm. Doch auch wenn die Haare des inzwischen 55-Jährigen grauer und kürzer geworden sind und sein Bauchansatz unverkennbar ist, seine Kampfeslust und Impulsivität haben überlebt. Und erst recht seine ironisierenden und scharfzüngigen Lieder. Und seine pralle und deftige Sprache. "Meine Lieder sind meistens klüger als ich", verrät er und wundert sich wie das Publikum, dass die oft bis zu 30 Jahre alten Texte heute noch genauso aktuell sind wie die neuen.

Dass sich Wecker gerne einmischt in die große Weltpolitik, weiß man nicht erst seit seiner umstrittenen Bagdad-Reise und seinen Auftritten bei den Demonstrationen gegen den Irak-Krieg. "Kriege sind ein Bombengeschäft", singt er. Und: "Ungehorsam und Zivilcourage sind nun mal die wirkungsvollste Waffe einer Demokratie und ihr unerlässliches Regulativ." Klar, dass sich das Publikum solchen Botschaften anschließt und heftig applaudiert, wenn Wecker sein "Sag" nein" in die Tasten hämmert. Wer ist nicht gegen Krieg? Und natürlich sind seine Zuhörer begeistert, wenn er wieder einmal Zwiesprache mit seinem Freund Willy hält und daraus eine aufheizend emotionelle, von Klaviermusik untermalte Rede gegen George Bush entwickelt.

Doch es gibt auch eine andere Seite Weckers, die sich in seinen intimeren Stücken offenbart, in denen er zum Beispiel über Midlife-Crisis und Selbstfindung sinniert oder zur bayerischen Variante der Schwermut, dem "Wehdam", neigt - die Fähigkeit, Leute mitzuziehen, ihnen aus der Seele zu sprechen. In solchen Momenten merkt man, dass Wecker wahrscheinlich nicht alles richtig gemacht hat im Leben, dass es Probleme und Brüche gab. Die kehrt er aber nicht einfach unter den Tisch, sondern er setzt sich mit ihnen auseinander - in einer Sprache, die so herrlich poetisch ist, dass man Konstantin Wecker noch immer gerne zuhört. (car)