Blues in Bagdads Schatten

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

04.04.2003

Quelle

Münchener Abendzeitung

Autor / Interwiever

Andrea Crasselt

Protest-Songs gegen den Krieg: Konstantin Wecker in der Philharmonie

Mit dem typischen Groove in der Stimme begeisterte Konstantin Wecker am Mittwochabend sein Publikum in der ausverkauften Philharmonie mit Songs aus den Jahren 1961 bis 2003. Neben dem vertrauten Zusammenspiel mit Jo Barnikel und seiner Band holte sich Wecker dabei Unterstützung von Musikerfreunden wie der Münchner Jazzgröße Johannes Faber.
Als poetischer, ironischer, vor allem aber sozialkritischer und politischer Sänger stimmte er neben alten Schätzen ("Wenn der Sommer nicht mehr weit ist") Protestgesang gegen den Irak-Krieg an. Wecker, der mit seinem Konzert in Bagdad ein Zeichen setzte, nutzt seine Auftritte zur Stimmungsmache. Als roter Faden zieht sich Anti-Kriegs-Agitation durch das Programm. Wecker erklärt den Krieg zum "Bomben-Geschäft", sein legendärer "Willi" wird zum energischen Protestlied.
"Du bist fern und doch so nah, du bist immer für uns da" - Amerika kommt als Verursacher des Krieges nicht gut weg. Saddam gerät zum "hausgemachten Frankenstein". Nach jedem Satz fast gibt´s Applaus. Wecker gerät so richtig in Fahrt, entlässt seine Zuhörer schließlich mit dem Slogan "Eine friedliche Welt ist möglich" in die Pause.
Der Entertainer weiß, dass er dem Publikum Verschnaufpausen gönnen muss. Die gestaltet er nostalgisch ("Ich will mich jetzt beklagen"), singt vom Älterwerden und seinen Zipperlein, von Schreibkrisen und Bayern-Blues. Ein "Misch dich ein, sage nein" gibt der Liedermacher seinem Publikum nach drei Konzertstunden und vielen Zugaben mit heim. Nicht endenwollender Applaus und Standing Ovations belohnen Wecker wohl ebenso für seinen "Best of"-Rückblick wie für seine offen ausgesprochene Meinung.