Ganz Mensch, ganz Münchner

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

04.04.2003

Quelle

tz München

Autor / Interwiever

Thomas Willmann

Er ist - sagt er selbst - keine Antwort auf "Deutschland sucht den Superstar". Dafür hat Konstantin Weckers "Ich singe, weil ich ein Lied hab" ein paar Jahrzehnte zu viel auf dem Buckel. Und auch das sagt er: Es taugt als Motto für sein ganzes Schaffen. Über 40 Jahre sind´s, die er in der Philharmonie durchstreift. Angefangen mit dem 12-jährigen Konstantin vom Band, der im Gymnasium "Heideröslein" krächzt. Manche der Lieder sind schon so fern gerückt, dass auch Wecker nur das Textblatt hilft ...
Die frühesten "sadopoetischen Gesänge" zitiert er nur an. Als eine Frau im Publikum über die lyrischen Jugendsünden zu lachen beginnt, kann Wecker selber kaum weiter. Spätestens aber beim ersten ausgespielten Stück, "Ich möchte etwas bleibend Böses tun", ist´s unüberhörbar, wie sehr die Flamme noch immer in ihm brennt. Man glaubt ihm völlig, dass er singt, weil er nicht anders kann. Weil es ihn treibt und reitet.
Aber: der berühmte derschlagene Willi muss sich einen langen Monolog zum Irak-Krieg anhören. Es ist ja alles darin wahr, aber zu wenig zur Kunst geformt, um mehr zu brigen als Applaus. Was wirkt bei Wecker, was man mitnimmt, das ist das leuchtende Beispiel, wie man sich so treu werden und bleiben kann. Wie da einer ganz Mensch (und ganz Münchner) ist. Älter wird, aber nicht alt, Sturm und Drang, Zärtlichkeit, Selbstzweifel verbindet. Und vorlebt: "Genug ist nicht genug."
Über ein Dutzend musikalische Wegbegleiter sind dabei - etwa Sax-Legende Charlie Mariano -, von denen Jazz-Trompeter Johannes Faber am meisten begeistert. Zum Schluss, kurz vor Mitternacht, finden sich alle zur hymnischen Blues-Jam-Session zusammen. Standing Ovations im ausverkauften Saal, der sich selten so sehr nach einem Stück München angefühlt hat.