Ich träume davon

Kategorie

Pressespiegel

Veröffentlichungsdatum

07.04.2003

Quelle

Nürnberger Nachrichten

. . . dass jeder Pilot den Menschen dort ins Gesicht sieht"

Kriegsgegner Konstantin Wecker in Nürnberg zu Gast

Kurz bevor die ersten Bomben auf Bagdad fielen, war Liedermacher Konstantin Wecker im Irak. Er sagt von sich: Es hat mein Leben verändert, dass ich dort gewesen bin." Auf Einladung Peter Birkels von der Initiative "Nein-zum-Krieg-Votum" hat er in der Meistersingerhalle seine Eindrücke geschildert und sich mit Buchautor Till Bastian vehement gegen den Krieg ausgesprochen.

Wecker kritisiert, dass vor allem die irakische Bevölkerung unter dem Krieg leide. "Ich träume davon, dass jeder Bomberpilot einmal den Menschen dort ins Gesicht sieht." Der Musiker bezeichnet es als Lüge, dass das Kriegsziel "die Beseitigung Saddams und die Einführung der Demokratie" sei. Seiner Meinung nach stehen wirtschafts- und machtpolitische Interessen der USA im Vordergrund.

Sizilien bombardieren?

Zudem spotte der Krieg jeder Verhältnismäßigkeit der Mittel Hohn, ergänzt Bastian. "Wer einen Mafiaboss ausschalten will, kann nicht ganz Sizilien bombardieren." Er hält den Krieg für völkerrechtswidrig, weil es kein UN-Mandat gibt. Jede Unterstützung Deutschlands verstoße gegen das Grundgesetz. In diesem Zusammenhang äußert auch der in Berlin lebende Vietnam-Veteran Stephen Summers harsche Kritik. Die Wahrheit sei, dass die USA die Welt beherrschen wollten. Aber auch die "deutsche Regierung lügt", sagt er. Ginge es ihr tatsächlich um Frieden, hätte sie den USA keine Überflugsrechte gewährt oder die Benutzung deutscher Flughäfen gestattet.

Auch wenn Bastian einerseits Verständnis zeigt für die Auswirkungen des 11. September in den USA ("Für uns in Europa ist das schwer nachvollziehbar"), sagt er in Richtung des US-Präsidenten George W. Bush: "Wer glaubt, dass gegen Fundamentalisten jedes Mittel recht ist, ist selber einer."

Michael Cordes, Vorstandsmitglied von Terres des hommes, weist auch auf die dramatischen Folgen eines Kriegs hin, Beispiel Vietnam-Krieg. Noch heute, nach 35 Jahren, sei dieses Land auf Hilfsprojekte angewiesen.

Als Gewinn für die Demokratie wertet Wecker die Demonstrationen gegen den Krieg. Bastian erkennt darin die Chance, dass "eine weltweite, zweite Friedensbewegung nicht wieder durch Resignation und Verzweiflung in der Versenkung verschwindet". Gelobt wird vor allem das Engagement junger Menschen. Titus Schüller vom Nürnberger "Schülerbündnis gegen den Krieg" fordert, "nicht nur gegen Bush zu schimpfen", sondern auch selbstkritisch zu sein. "Wir alle müssen uns fragen, wie wir leben und was wir konsumieren. Wir sind Teil des Ganzen." Frieden setze weltweite soziale Gerechtigkeit voraus.

Wolfgang Lohbeck von Greenpeace Deutschland kündigt an, die Umweltschützer würden sich auch in Zukunft für den Frieden einsetzen: "Denn Friedensschutz ist Teil des Umweltschutzes." Dass man sich auch auf ganz andere Weise für den Frieden einsetzen könne, meint Joachim Schneider von Pax Christi. "Durch unser aller Geld unterstützen wir den Krieg", sagt er. Das Geld, das die USA für den Krieg einsetzen, kommt seiner Meinung nach unter anderem von den internationalen Finanzmärkten, wo auch deutsche Banken tätig sind. Er fordert dazu auf, alternative Geldanlagen zu nutzen.